Gehaltsgespräch: Jammern verboten
Wer sich bei der Arbeit mehr Geld wünscht, muss in der Regel selbst danach fragen, denn von sich aus zahlen Chef:innen in der Regel kein Plus – Tariferhöhungen ausgenommen. Doch dabei gilt es, einige Stolperfallen zu vermeiden. Jammern ist im Gehaltsgespräch tabu.
Während sich Apothekenangestellte im Tarifgebiet des Arbeitgeberverbands deutscher Apotheken zum Jahresbeginn über ein Gehaltsplus von 3 Prozent, und zwar für alle Berufsgruppen, freuen durften, gelten in Nordrhein und Sachsen weiterhin die bestehenden Gehaltstarifverträge. Beschäftigte ohne Tarifbindung haben dagegen in der Regel keinen Anspruch auf eine tarifliche Bezahlung – wie immer gibt es Ausnahmen. Doch egal ob Tarifvertrag oder nicht – mit einer individuellen Verhandlung lässt sich mitunter noch ein weiteres Plus im Portemonnaie erzielen. Dabei gibt es zahlreiche Tipps, um möglichst erfolgreich zum gewünschten Ziel zu kommen. Wichtig ist neben der richtigen Vorbereitung jedoch vor allem: Jammern ist im Gehaltsgespräch tabu.
Jammern ist im Gehaltsgespräch tabu
In vielen Apotheken ist die Stimmung schon seit Monaten angespannt. Denn das Personal ist knapp, die Aufgaben wachsen immer weiter und das Honorar stagniert. Kein Wunder, dass viele Angestellte am Limit arbeiten. Doch auch wenn dies oftmals belastend ist, ist das Gehaltsgespräch nicht der richtige Rahmen, um darüber zu jammern. Denn dies wirkt Expert:innen zufolge unprofessionell und schwächt die eigene Position. Der Grund: Wer sich zu stark über den Workload und die Arbeitsbedingungen beklagt, signalisiert, dem nicht gewachsen zu sein, was sich auch durch mehr Geld nicht ändern dürfte.
Achtung: Das bedeutet nicht, dass die Belastung nicht angesprochen werden sollte. Im Gegenteil. Nimmt diese immer weiter zu, können Angestellte sogar eine Überlastungsanzeige stellen, um sich selbst zugleich bei Fehlern und Co. abzusichern.
Stattdessen empfiehlt es sich, noch vor dem Thema Gehalt zunächst einmal Feedback einzuholen. Ist der/die Chef:in mit der bisher gezeigten Leistung überhaupt zufrieden, wo gibt es Luft nach oben und wo vor allem Lob? Darauf können Angestellte wiederum aufbauen und sich auch eine finanzielle Belohnung aushandeln. Spricht die Apothekenleitung beispielsweise positives Feedback aus, weil PTA zuverlässig Zusatzaufgaben übernehmen und öfter für Kolleg:innen einspringen, kann dies als „Aufhänger“ für ein weiteres Gespräch genutzt werden, bei dem die Übernahme von mehr Verantwortung und einem damit verbundenen Gehaltsplus diskutiert werden. Hilfreich sind dabei konkrete Beispiele, wie es unter anderem gelungen ist, knappes Personal abzufedern und Co.
Druck und Drohungen: Besser nicht
Neben dem Jammern ist im Gehaltsgespräch auch Druck ein schlechter Begleiter. Denn egal ob Beschäftigte versuchen, den/die Chef:in mit dem Hinweis auf ihre hohe finanzielle Belastung für Miete und Co. zu erweichen, oder ob mit einem Wechsel zur Konkurrenz gedroht wird, wenn das Gehaltsplus ausbleibt – beide Strategien sind wenig zielführend. So kann beispielsweise eine Drohung eher zum Gegenteil führen und Chef:innen daran zweifeln lassen, ob das Arbeitsverhältnis überhaupt fortgesetzt werden sollte.
Stattdessen sind Flexibilität und Kompromissbereitschaft gefragt. Denn selbst wenn es mit dem gewünschten Gehaltsplus nicht auf Anhieb klappt, können womöglich Alternativen ausgehandelt werden, die für beide Seiten akzeptabel sind. Es ist also Fingerspitzengefühl gefragt.
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