Urlaubsgeld: Jede/r Zweite geht leer aus
Der Anteil der Beschäftigten, die hierzulande Urlaubsgeld erhalten, liegt 2026 bei 44 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de. Damit geht mehr als jede/r zweite Angestellte leer aus – ebenso wie im letzten Jahr.
Angesichts der weiter steigenden Preise für die Lebenshaltungskosten ist die Freude über ein finanzielles Extra von dem/der Arbeitgeber:in meist groß. Erst recht, wenn damit die Urlaubskasse aufgebessert werden kann. Doch insgesamt dürfen sich hierzulande nur rund vier von zehn Beschäftigten über Urlaubsgeld freuen, wie die Ergebnisse der vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreuten Umfrage zeigen. Dafür wurden Angaben von rund 50.000 Beschäftigten zwischen Anfang Mai 2025 bis Ende Mai 2026 ausgewertet.
Während der Anteil derjenigen, die Urlaubsgeld erhalten, im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben ist, ist die Lücke zwischen Tarifbeschäftigten und anderen Angestellten noch größer geworden. So profitieren 73 Prozent der Arbeitnehmenden mit Tarifvertrag von Urlaubsgeld, wohingegen es ohne nur 35 Prozent sind. „Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld – und auch die Grundgehälter sind im Durchschnitt niedriger“, heißt es vom WSI. Um entsprechende Ungleichheiten am Arbeitsmarkt zu reduzieren sei es daher umso wichtiger, für eine steigende Tarifbindung zu sorgen.
Denn auch die Kluft zwischen den Geschlechtern beim Urlaubsgeld ist noch weiter auseinandergegangen. Nur 38 Prozent der weiblichen Angestellten erhalten das finanzielle Extra, bei Männern profitieren 11 Prozent mehr. Unverändert ist dagegen der Ost-West-Unterschied – 33 Prozent vs. 46 Prozent.
Urlaubsgeld: Zwischen 186 und 2.904 Euro sind drin
Da es sich beim Urlaubsgeld in der Regel um eine freiwillige Zahlung des/der Chef:in handelt, legt diese/r auch die Höhe selbst fest. Dabei kann beispielsweise entweder ein pauschaler Betrag ausgezahlt werden oder das jeweilige Tarifgehalt als Anhaltspunkt dienen. Fest steht in jedem Fall: Sowohl die Betriebsgröße als auch der Standort haben Einfluss auf das Urlaubsgeld. Außerdem ist die jeweilige Branche entscheidend, sodass sich zum Teil Unterschiede von mehreren tausend Euro ergeben. So erhalten Beschäftigte in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern etwa 186 Euro Urlaubsgeld, Angestellte in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe dagegen bis zu 2.904 Euro.
Die WSI-Expert:innen erinnern zudem daran, dass der Faktor Tarifbindung meist nicht nur beim Urlaubsgeld, sondern schon bei den Urlaubstagen eine Rolle spielt. Denn ohne Tarifvertrag und eine abweichende Regelung im Arbeitsvertrag gilt für Angestellte lediglich der Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen pro Jahr. Tarifbeschäftigten stehen jedoch im Schnitt 30 Urlaubstage zur Verfügung.
Ob das Urlaubsgeld bei Krankheit gekürzt werden darf, erfährst du hier.
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