Statine: Im Alter besser absetzen?
Statine werden hierzulande millionenfach verordnet und genutzt. Doch die Sorge vor Nebenwirkungen ist mitunter groß – erst recht bei einer Langzeiteinnahme. Wie wirkt sich ein Absetzen von Statinen im Alter aus?
Statine gehören unter anderem zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse – Herzinfarkte und Schlaganfälle – und zur Senkung des Cholesterinspiegels zu den Mitteln der Wahl. Denn die Wirkstoffe tragen dazu bei, die Cholesterinneusynthese zu unterdrücken, da sie die HMG-CoA-Reduktase hemmen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Muskelschmerzen, deren Mechanismus erst kürzlich entschlüsselt wurde.
Vor allem bei einer Langzeitanwendung stellt sich die Frage nach den möglichen Risiken – sowohl unter einer Fortsetzung als auch beim Beenden der Therapie. Doch können Statine auch im Alter weiter angewendet werden oder ist ein Absetzen erforderlich?
Statine im Alter: Kaum Unterschiede zwischen Fort- und Absetzen
Das wollte ein Team vom Universitätsklinikum Bordeaux (Frankreich) herausfinden und hat eine randomisierte Studie mit mehr als 1.160 Personen ab 75 Jahren durchgeführt. Alle Teilnehmenden nahmen seit mindestens einem Jahr ein Statin zur Primärprävention ein, hatten jedoch bisher keine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung. Dabei ging es um die Fragen, ob eine weitere Einnahme sinnvoll ist und wie sich ein mögliches Absetzen auf das Sterberisiko auswirken könnte. Jeweils rund die Hälfte der Patient:innen nutzte Statine unverändert weiter, die andere Hälfte beendete die Einnahme.
Das Ergebnis: Kam es zum Absetzen von Statinen, wirkte sich dies innerhalb von drei Jahren weder signifikant positiv noch negativ auf das Sterberisiko aus. Während unter der Fortsetzung der Therapie 48 von 604 Personen (7,9 Prozent) starben, waren es bei einer Beendigung 35 von 484 Patient:innen (7,2 Prozent). Somit konnten keine relevanten Unterschiede zwischen der weiteren Einnahme und dem Absetzen festgestellt werden. Das gilt auch für unerwünschte Nebenwirkungen, die in beiden Gruppen etwa gleich häufig auftraten – 73 vs. 74 Prozent.
Statine: Keine Empfehlung zum Absetzen
Die Forschenden betonen jedoch, dass die Ergebnisse keine Empfehlung zum Absetzen von Statinen sind und auch nicht belegen, dass ein Therapieende sinnvoller als eine Fortsetzung ist, wie auch verschiedene Expert:innen deutlich machen. Außerdem war der Fokus auf Patient:innen beschränkt, die Statine zur Primärprävention nutzten und noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten. Ob sich bei einer Anwendung zur Sekundärprävention ähnliche Beobachtungen ergeben, ist offen. Es seien also weitere Studien erforderlich, um die langfristigen kardiovaskulären Folgen, Risikogruppen und die Auswirkungen des Absetzens auf Lebensqualität und Funktionsstatus zu beurteilen.
Entscheidend sei daher immer die individuelle Therapieentscheidung, die in Rücksprache mit dem/der behandelnden Ärzt:in getroffen werden sollte. „Diese Ergebnisse sprechen für eine individualisierte Entscheidungsfindung bezüglich des Absetzens von Statinen bei älteren Erwachsenen“, lautet daher auch das Fazit.
Übrigens: Statine können das Sterberisiko bei Brustkrebs senken.
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