ASS und Omega-3: Geheimtipp gegen Parodontitis?
Acetylsalicylsäure (ASS) gehört zu den Schnelldrehern in der Apotheke und kommt vor allem bei Schmerzen zum Einsatz. Doch dem Wirkstoff werden noch weitere positive Effekte zugesprochen. Nun bringen Forschende eine weitere Indikation ins Spiel: Zusammen mit Omega-3 soll ASS bei Parodontitis helfen, und zwar ebenso gut wie Antibiotika.
Millionen Menschen hierzulande leiden früher oder später einmal an Parodontitis (auch Parodontose genannt). Die chronisch-entzündliche Erkrankung wird durch Bakterien im Zahnbelag (Plaque/Biofilm) ausgelöst, die sich bei unzureichender Mundhygiene vermehren. Betroffen ist zunächst das Zahnfleisch, die Erkrankung kann sich jedoch auf den gesamten Zahnhalteapparat ausbreiten, den Kieferknochen und die Haltefasern der Zähne zerstören und so zu Zahnverlust führen. Mitunter ist eine Antibiose angezeigt, um die Entzündung zu bekämpfen.
Nun bringen Forschende eine mögliche neue Behandlungsoption zur Linderung der Beschwerden ins Spiel: Eine Kombi aus ASS und Omega-3 als „Geheimtipp“ gegen Parodontitis. Was ist dran?
ASS zählt zur Gruppe der nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenase-1 (COX-1). Je nach Dosierung kommt der Wirkstoff in unterschiedlichen Indikationen zum Einsatz. In der niedrigen Dosierung von 75 bis 300 mg hemmt ASS irreversibel die Thrombozytenaggregation. Zur Standardtherapie von instabiler Angina pectoris oder akutem Myokardinfarkt sowie zur Reinfarktprophylaxe oder nach arteriellen gefäßchirurgischen Eingriffen kommen Präparate in einer Dosierung zu 100 mg ins Spiel. In höheren Dosierungen von 500 mg bis 1.000 mg überwiegt die schmerzstillende Wirkung des Arzneistoffes. Die Tageshöchstdosis von 3.000 mg sollte nicht überschritten werden.
Omega-3-Fettsäuren gehören zu den langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und sind Bestandteil von Biomembranen der Körperzellen. Zu den Omega-3-Fettsäuren gehören beispielsweise die alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren sollen zum Erhalt eines normalen Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut, einer normalen Gehirn- und Herzfunktion sowie Sehkraft beitragen.
ASS und Omega-3 bei Parodontitis: Gleich wirksam wie Antibiotika?
Ein internationales Forscherteam aus Brasilien und den USA hat neue Ergebnisse im Journal of Periodontology veröffentlicht. Diese zeigen: Bei schweren Formen von Parodontitis kann die Kombi aus ASS und Omega-3 ähnlich wirksam sein wie eine Behandlung mit einem Antibiotikum – jedoch mit weniger Nebenwirkungen.
Grundlage war eine Untersuchung von erwachsenen Parodontitis-Patient:innen. Diese wurden nach einer zahnärztlichen Reinigung in vier Gruppen eingeteilt, die entweder
- 14 Tage lang dreimal täglich 400 mg Metronidazol und 500 mg Amoxicillin,
- sechs Monate lang täglich 3 g Omega-3-Fettsäuren (genaues Präparat nicht bekannt) und 100 mg ASS,
- eine Kombination aus Antibiotikum und Omega-3 und ASS oder
- ein Placebo erhielten.
Jeweils drei, sechs und zwölf Monate nach Behandlungsbeginn wurden die Teilnehmenden erneut untersucht und überprüft, wie sich ihre Krankheitslast verändert hat. Genau ging es um die Frage, ob weiterhin Stellen mit tiefen Zahnfleischtaschen – Lücken zwischen Zähnen und Zahnfleisch – vorhanden sind oder nicht.
Das Therapieziel von maximal vier tiefen Zahnfleischtaschen erreichten unter der Antibiose knapp 59 Prozent der Patient:innen. Die Kombination aus ASS und Omega-3 zeigte jedoch bei Parodontitis einen ähnlichen Effekt – bei 58 Prozent wurde das Therapieziel erreicht. Unter Placebo waren es dagegen nur 23 Prozent.
Übrigens: Eine Kombi aus Antibiotika, ASS und Omega-3 zeigte im Vergleich zur Mono-Behandlung keine signifikante Besserung.
Neuer Therapieansatz bei Parodontitis?
„Das Ergebnis war überraschend, da beide Therapieansätze sehr ähnliche Resultate zeigten; dies ebnet den Weg für den Einsatz von Omega-3 in Verbindung mit ASS als Behandlungsoption bei Parodontitis“, so das Fazit. Auch ein halbes Jahr nach Ende der Therapie mit ASS und Omega-3 wurden weiterhin Ergebnisse beobachtet, die denen am Ende der Behandlung ähnelten, sodass von einer langfristigen Besserung der Entzündung ausgegangen werden kann. Die Hintergründe dafür sind jedoch noch nicht geklärt und müssen weiter untersucht werden, so die Forschenden. Angenommen wird jedoch, dass die Bildung von Botenstoffen, die dem Körper helfen, Entzündungen aufzulösen und Gewebe zu reparieren, angeregt wird.
Nun ist jedoch weitere Forschung nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen und außerdem zu überprüfen, für welche Patientengruppen die Behandlung die größten Effekte erzielen kann.
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