Asthma: Spray-Übergebrauch erhöht Herzrisiko
Leiden Patient:innen an Asthma oder COPD, gehören akute Atemprobleme für viele Betroffene zum Alltag. Hilfe kommt in Form von Sprays mit Wirkstoffen wie Salbutamol. Doch bei der Anwendung gilt Vorsicht. Denn ein Spray-Übergebrauch kann das Herzrisiko erhöhen.
Rund 3,5 Millionen Menschen leiden hierzulande unter Asthma, beinahe genauso viele sind von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) betroffen. Je nach Schwere der Erkrankung ist die Lebensqualität von Patient:innen stark eingeschränkt. Inhalatoren mit Wirkstoffen zum Einatmen sind dabei unverzichtbar, um die Beschwerden zu lindern. Behandelt wird in der Regel mit Bronchodilatatoren wie Beta-2-Sympathomimetika oder Anticholinergika – beispielsweise in Form von Sprays. Doch nun warnen Forschende: Ein Spray-Übergebrauch kann das Herzrisiko erhöhen.
Übrigens: Das Beta-Sympathomimetikum Salbutamol wird aufgrund seines schnellen Wirkeintritts und bronchienerweiternden Effekts bei einem akuten Asthmaanfall eingesetzt. Der Wirkstoff bindet selektiv an die Beta-2-Adrenozeptoren der Bronchialmuskulatur. Bei Asthma und COPD kommen Dosieraerosole mit dem Wirkstoff zum Einsatz.
Die Untersuchung
Ein Forscherteam aus Belgien hat untersucht, wie sich ein übermäßiger Gebrauch von Notfall- beziehungsweise sogenannten Bedarfsprays bei Asthma- und COPD-Patient:innen auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirkt. Dafür wurden die Daten von knapp 284.000 Personen ausgewertet, von denen mehr als 226.000 an Asthma und mehr als 57.000 an COPD erkrankt waren. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum und Begleiterkrankungen wurden berücksichtigt.
Überprüft wurde einerseits, wie viele kurz wirksame bronchienerweiternde Inhalatoren die Patient:innen innerhalb eines Jahres in der Apotheke erhalten hatten: keinen, ein bis zwei oder mindestens drei. Andererseits haben die Forschenden analysiert, wie häufig es innerhalb von drei Jahren zu einer Krankenhausbehandlung wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche kam. Anschließend sollte die Frage beantwortet werden, ob ein Zusammenhang zwischen der häufigen Anwendung von Notfallsprays und vermehrten Krankenhausaufenthalten besteht. Genau ging es darum, ob ein Spray-Übergebrauch das Herzrisiko erhöhen kann.
Unterschieden wurde dabei noch zwischen Beta-2-Sympathomimetika und Anticholinergika und Kombi-Präparaten.
Das Ergebnis: Spray-Übergebrauch mit erhöhtem Herzrisiko verbunden
Dabei zeigte sich: Patient:innen, die in einem Jahr viele Sprays aus der Apotheke bekamen, mussten häufiger herzbedingt im Krankenhaus behandelt werden. Ein Spray-Übergebrauch erhöhte jedoch nicht nur das Herzrisiko, sondern auch die Sterblichkeit.
Dabei war der Zusammenhang unter Anticholinergika besonders ausgeprägt und auch bei Kombi-Präparaten stieg die Gefahr deutlicher als ohne die Arzneimittel. Doch auch unter Beta-2-Sympathomimetika konnte festgestellt werden, dass Patient:innenen, die innerhalb eines Jahres mindestens drei Sprays erhalten hatten, ein erhöhtes Risiko für eine Herzschwäche und einen frühen Tod aufwiesen. Zusätzlich stieg bei Asthma-Patient:innen das Herzinfarktrisiko.
Die genauen Gründe für den Zusammenhang zwischen einem Spray-Übergebrauch und dem Herzrisiko ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Wirkstoffe selbst Herzrhythmusstörungen und weitere Herz-Kreislauf-Probleme begünstigen können. Denn Beta-2-Sympathomimetika können den Herzschlag beschleunigen und den Kaliumspiegel im Blut senken, während Anticholinergika Nervenreize hemmen, die bremsend auf das Herz wirken. Hinzukommt, dass ein erhöhter Gebrauch der Sprays auf eine nicht ausreichend eingestellte Therapie hindeutet, wodurch das Risiko für weitere Erkrankungen steigt.
Ein Spray-Übergebrauch sollte daher als Warnsignal betrachtet werden. Anstatt die Anwendung auf eigene Faust einzuschränken oder gar abzubrechen, sollten Patient:innen Arztrücksprache halten, um die genauen Ursachen für einen gestiegenen Spray-Bedarf zu klären, so der Appell.
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