Hirntumore: Gestagene erhöhen Risiko
Während kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) – die klassische Pille – neben Gestagenen auch Östrogene enthalten, wird bei Minipillen ausschließlich auf Gestagene gesetzt. Daher gelten letztere als verträgliche Form der Verhütung. Doch Gestagene können das Risiko für Hirntumore erhöhen, wie Forschende nun bestätigen.
Bereits vor rund einem Jahr hatten Forschende auf ein erhöhtes Risiko für Meningeome unter Desogestrel hingewiesen. Nun zeigt sich: Auch andere Gestagene können die Gefahr für Hirntumore steigern. Die Sexualhormone haben eine kontrazeptive Wirkung, die in erster Linie auf einer Ovulationshemmung beruht – die Follikelstimulation und der Eisprung werden gehemmt. Hinzu kommen antiandrogene Eigenschaften.
Mehr als 20 verschiedene Gestagen-Substanzen kommen in oralen, aber auch anderen hormonellen Kontrazeptiva zum Einsatz. Je nachdem, welches Gestagen wie lange angewendet wird, steigt dadurch jedoch das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken. Doch das Risiko gilt als reversibel, zeigen Forschende.
Meningeome sind Tumore im Gehirn, die sich aus Meningen – der Hirnhaut – bilden. Meist sind Meningeome gutartig und wachsen langsam. Je nach Lage können sie jedoch zur Gefahr werden und mitunter eine operative Entfernung notwendig machen. Symptome eines Meningeoms sind oftmals unspezifisch und äußern sich unter anderem in Sehveränderungen, Hör-, Geruchs- und Gedächtnisverlust, stärker werdenden Kopfschmerzen, Krampfanfällen oder Schwäche der Extremitäten.
Gestagene: Erhöhtes Risiko für Hirntumore
Der Reihe nach. Weil Gestagene schon länger als Risikofaktor für Meningeome diskutiert werden, unter anderem, weil auf 87 Prozent aller Meningenome Rezeptoren von Gestagenen nachgewiesen werden konnten, hat ein Team der dänischen Arzneimittelbehörde Lægemiddelstyrelsen den Einfluss der Sexualhormone auf die Entstehung von Hirntumoren genauer untersucht. Dabei wurden verschiedene Gestagene und Anwendungszeiträume gegenübergestellt. Dafür wurden die Daten von knapp 1.500 Frauen im Alter von 15 bis 59 Jahren analysiert, die zwischen 2000 und 2024 die Diagnose Meningeom erhalten haben. Ihnen wurden jeweils 10 Kontrollpersonen gegenübergestellt.
Das Ergebnis: Vor allem unter der Anwendung von injizierbarem Medroxyprogesteron (Drei-Monats-Spritze) zeigte sich ein erhöhtes Risiko. Doch auch Desogestrel, Levonorgestrel, Drospirenon und weitere Substanzen erhöhten die Gefahr. Insgesamt konnte für acht Gestagene ein erhöhtes Risiko für Hirntumore festgestellt werden. Dabei stieg vor allem unter einer Langzeitanwendung von mindestens fünf Jahren das Risiko deutlich.
Demnach können Meningeome eine sehr seltene Nebenwirkung von Verhütungsmitteln mit einem Gestagen sein, heißt es. Sobald die Behandlung mit Gestagenen abgesetzt wurde, verringerte sich das Risiko für Hirntumore jedoch wieder. Somit raten die Expert:innen nicht explizit von einer Anwendung ab, sondern appellieren an Nutzerinnen, mögliche Nebenwirkungen im Blick zu behalten.
Außerdem hat die dänische Arzneimittelbehörde beim Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Arzneimittelsicherheit (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) einen Sicherheitshinweis herausgegeben. „Wenn PRAC der Ansicht ist, dass insgesamt ausreichende Hinweise auf einen Zusammenhang vorliegen, könnte dies letztendlich dazu führen, dass das Risiko von Meningeomen als Nebenwirkung in die Packungsbeilage und die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aufgenommen wird.“
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