ADHS-Behandlung: Welche Dosierung ist die richtige?
Schätzungsweise 2 bis 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande leiden unter einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Doch auch immer mehr Erwachsene sind betroffen. Zur Therapie kommen verschieden Arzneimittel ins Spiel. Für eine möglichst erfolgreiche ADHS-Behandlung ist jedoch die passende Dosierung entscheidend. Doch wie sollte diese ausfallen?
ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Dabei handelt es sich um eine Neurotransmitterstörung des Dopaminrezeptors, die in vielen Fällen erblich bedingt ist. Die Erkrankung kann mitunter bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Kennzeichen sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Als medikamentöse Behandlung kommen unter anderem Wirkstoffe wie Atomoxetin oder Methylphenidat zum Einsatz. Die Wahl der passenden Dosierung ist dabei entscheidend für den Erfolg der ADHS-Behandlung. Das Problem: Oftmals liegt diese zu niedrig, vor allem bei jüngeren Patient:innen. Ein Forscherteam liefert Orientierung.
ADHS-Behandlung: Entscheidet die Dosierung über Therapieerfolg?
Wie ein Team der University of Southampton (USA) in einer Real World Analyse herausgefunden hat, erhalten vor allem Kinder und Jugendliche bei der medikamentösen ADHS-Behandlung nicht die passende Dosierung, sondern oftmals subtherapeutische Dosen – sprich Dosierungen unterhalb der empfohlenen Menge.
Zwar gebe es nach wie vor keine klaren, einheitlichen Vorgaben zur passenden Dosierung, für die Therapie sei es jedoch unverzichtbar, zu beachten, wie sich Wirksamkeit und Verträglichkeit entsprechender Präparate je nach Dosierung ändern können. Denn dies habe einen entscheidenden Einfluss auf die Therapietreue.
Daher wurden verschiedene Dosierungen von ADHS-Medikamenten gegenübergestellt – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.
Maximal 45 mg Methylphenidat/Tag für Kinder, kein Grenzwert bei Erwachsenen
Für die Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren wurden mehr als 80 Studien mit mehr als 18.000 Teilnehmenden herangezogen, bei denen Arzneimittel in verschiedenen Dosierungen verabreicht wurden. Das Ergebnis: Die mittlere Wirksamkeit erhöhte sich unter Methylphenidat bis zu einer Dosis von 45 mg/Tag und stieg danach nicht weiter an. Bei Amphetaminen bildeten 25 mg/Tag den Schwellenwert. Dieser war unter dem Wirkstoff auch im Hinblick auf die Therapietreue entscheidend. Bei einem Überschreiten stieg die Gefahr für einen Abbruch. Bei Methylphenidat konnte kein dosisabhängig erhöhtes Risiko für einen Behandlungsstopp festgestellt werden.
Um Aufschluss über die optimale Dosierung der ADHS-Behandlung für Erwachsene zu geben, haben die Wissenschaftler:innen die Ergebnisse aus 45 Studien mit mehr als 11.000 Teilnehmenden berücksichtigt. Dabei wurde deutlich: Die größte Wirksamkeit wurde bei Amphetaminen mit einer Dosierung von 50 mg/Tag erreicht – 10 mg mehr als die empfohlene Dosierung der US-Arzneimittelbehörde FDA.
Unter einer Behandlung mit Methylphenidat konnte in puncto Wirksamkeit kein Schwellenwert ermittelt werden, sondern lediglich in puncto Therapietreue – 50 mg/Tag. Demgegenüber gab es unter Atomoxetin keine Hinweise auf einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang.
Für die Forschenden ist klar: Zu geringe Dosierungen sollten bei der ADHS-Behandlung vermieden und stattdessen eine langsame Steigerung in Erwägung gezogen werden, um eine optimale Wirkung und Therapietreue zu gewährleisten. Entscheidend sei allerdings stets, die individuell passende Dosierung zu ermitteln, um den Therapieerfolg zu erhöhen.
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