Mehr als Einschlafhilfe: Melatonin auch bei Schmerzen wirksam?
Präparate mit Melatonin boomen in der Apotheke. Denn das Schlafhormon wird als sanfte Einschlafhilfe gehypt. Doch kann Melatonin noch mehr, zum Beispiel gegen Schmerzen wirken?
Melatonin wird aus Serotonin produziert und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Melatonin werden antioxidative, entzündungshemmende und das Immunsystem regulierende Eigenschaften zugesprochen. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab. Das Problem: Licht – vor allem Blue Light – kann die Melatoninfreisetzung verringern oder verzögern und somit den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen und Einschlafprobleme nach sich ziehen.
Daher wird Melatonin oftmals von außen zugeführt, beispielsweise durch Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Doch neben einem positiven Effekt auf den Schlaf könnte das Hormon noch weitere Vorteile bringen. Zum Beispiel soll Melatonin auch chronische Schmerzen lindern.
Achtung: Eine Langzeiteinnahme von Melatonin kann zur Gefahr für das Herz werden.
Melatonin kann Schmerzen lindern
Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Universität Sydney (Australien) in einer Metaanalyse, für die 23 Studien berücksichtigt wurden. Damit könnte Melatonin womöglich eine alternative Behandlungsoption für chronische Schmerzen sein und im Vergleich zu anderen Therapieoptionen weniger Nebenwirkungen verursachen.
Für die Untersuchung wurden die Daten von mehr als 2.000 Erwachsenen berücksichtigt, die unter Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie litten oder sich von einer Operation erholten. Melatonin konnte ihre Schmerzen auf einer gängigen Schmerzskala durchschnittlich in einem messbaren Ausmaß lindern, und zwar vergleichbar mit anderen bestehenden Behandlungsoptionen. Allerdings stellte sich nicht immer eine spürbare Besserung des Schmerzempfindens ein.
Dagegen wurde die Schlafqualität bei den Schmerzpatient:innen signifikant verbessert. Da Schmerz und Schlaf häufig in engem Zusammenhang stehen, sehen die Forschenden Hinweise auf einen positiven Effekt von Melatonin bei Schmerzen. Hinzukommt, dass das Schlafhormon als gut verträglich eingestuft wurde – schwere Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit traten nicht auf. Vor allem eine Kurzzeiteinnahme von weniger als drei Monaten wird daher als sicher bewertet.
Welche Dosierung dabei die passende ist, konnte anhand der Untersuchung noch nicht ermittelt werden, da diese in den jeweiligen Studien variierte. Zudem bedeuten die Ergebnisse den Forschenden zufolge nicht, dass Melatonin als Ersatz für bestehende Therapieoptionen dienen soll, sondern lediglich als Zusatzoption in Betracht kommen könnte – insbesondere für Schmerzpatient:innen, die zugleich unter Schlafproblemen leiden. Vor der Einnahme sollte jedoch Arztrücksprache erfolgen.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
GLP-1-Rezeptoragnoisten: Gefahr für Geschmack und Geruch?
Inkretinmimetika wie Semaglutid kommen nicht nur bei Diabetes zum Einsatz, sondern auch als Abnehmspritze. Sie können jedoch mit verschiedenen Nebenwirkungen …
Rezeptur 1×1: Vitamin D3 Vaginalzäpfchen
Ob Wirkstoffe, Zubereitung oder Wechselwirkungen – nicht nur bei der Beratung im HV, sondern auch in der Rezeptur ist dein …
Wegen Resistenzen: Warnhinweis für Azithromycin
Azithromycin besitzt ein breites Wirkspektrum und wird gleichzeitig von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Antibiotikum mit erhöhtem Risiko für eine Resistenzentwicklung …














