GLP-1-Rezeptoragnoisten: Gefahr für Geschmack und Geruch?
Inkretinmimetika wie Semaglutid kommen nicht nur bei Diabetes zum Einsatz, sondern auch als Abnehmspritze. Sie können jedoch mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein. Ob GLP-1-Rezeptoragonisten für einen Verlust von Geschmacks- und/oder Geruchssinn sorgen, zeigt eine Studie.
Ursprünglich waren Arzneimittel mit GLP-1-Analoga zur Diabetes-Behandlung zugelassen. Denn die Arzneistoffe wirken selektiv als GLP-1-Rezeptoragonisten. Binden die Wirkstoffe an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel glucoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Weil damit jedoch auch eine Appetitverminderung verbunden ist, kommt es ebenfalls zu einem schnellen Gewichtsverlust, weshalb die Präparate als Abnehmspritzen eingesetzt werden.
Doch immer wieder werden auch die Nebenwirkungen diskutiert. Demnach kann es unter der Anwendung zum Verlust von Muskelmasse kommen und es drohen gastrointestinale Beschwerden. Damit nicht genug. Laut einer israelischen Studie kann unter GLP-1-Rezeptoragonisten auch eine Beeinträchtigung beziehungsweise ein Verlust von Geschmack und/oder Geruch als unerwünschte Wirkung auftreten – zumindest bei einigen Patient:innen.
GLP-1-Rezeptoragnoisten: Verlust von Geschmack und Geruch droht
Ein Forschungsduo der Hebrew University of Jerusalem (Israel) hat Patientendaten von rund 439.000 Diabetiker:innen analysiert, die mit Inkretinmimetika behandelt wurden. Zum Vergleich wurde eine ähnlich große Gruppe gegenübergestellt, die andere Antidiabetika erhielten. Die Nachbeobachtungszeit lag zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Überprüft wurde, ob und wenn ja wie oft Geruchs- oder Geschmacksstörungen auftraten und ob es diesbezüglich Unterschiede je nach Behandlung gab.
Das Ergebnis: In beiden Gruppen konnten entsprechende Vorfälle nur selten festgestellt werden. Unter der Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten kam es jedoch häufiger zu einer Beeinträchtigung beziehungsweise sogar einem Verlust von Geschmack und/oder Geruch, und zwar um bis zu 48 Prozent häufiger. Dies führen die Forschenden darauf zurück, dass das Hormon GLP-1 zwar vor allem im Darm, aber teilweise auch im Nervensystem ausgeschüttet wird: im Nucleus tractus solitarii, einem Kerngebiet im Hinterhirn, das wichtige Sättigungs- und vegetative Signale verarbeitet, und im Bulbus olfactorius, dem Riechkolben, der für die Verarbeitung von Geruchsinformationen zuständig ist.
Allerdings mahnen die Autor:innen, dass der Zusammenhang zwischen GLP-1-Rezeptoragonisten und dem Verlust von Geschmack und/oder Geruch nicht eindeutig belegt ist. Demnach sind weitere Studien erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen weiter zu untersuchen. „Obwohl das absolute Risiko gering ist, sollten Ärzte und Patienten sich dieser möglichen sensorischen Veränderungen bewusst sein, da sie sich auf die Essgewohnheiten, die Ernährung und die Lebensqualität auswirken können“, heißt es jedoch. Hinzukommt, dass eine frühzeitige Behandlung, beispielsweise durch ein Riechtraining, den Geruchs- und Geschmackssinn wiederherstellen könnte.
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