Testosteron: Herzrisiko bei Off-Label-Use
Das Steroidhormon Testosteron kommt unter anderem zum Einsatz, um einen Hypogonadismus – eine Störung der Testosteron-Produktion – zu behandeln. Doch auch zur Leistungssteigerung oder bei altersbedingtem Libidoverlust oder sogar als Anti-Aging-Methode finden entsprechende Hormonpräparate Anwendung. Bei einem Off-Label-Use von Testosteron droht jedoch ein Herzrisiko.
Testosteron-haltige Arzneimittel sind zugelassen zur Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, sofern ein Testosteronmangel sowohl klinisch als auch labordiagnostisch mehrfach nachgewiesen wurde. Als Grenzwert für den Testosteronspiegel gelten zwischen 7 und 12 nmol/l, gemessen zwischen acht und zehn Uhr morgens in nüchternem Zustand. Einige Präparate kommen zudem zur Behandlung der chronischen Form der aplastischen Anämie, eines übermäßigen Längenwachstums und bei verspätetem Einsetzen der Pubertät zum Einsatz.
Das Problem: Kommen Präparate mit Testosteron ohne vorliegenden Hypogonadismus – sprich off label – zum Einsatz, kann dies das Herzrisiko erhöhen.
Testosteron: Off-Label-Use erhöht Herzrisiko
Genau steigt durch den Off-Label-Use die Gefahr für kardiovaskuläre Ereignisse. Das ist das Ergebnis einer internationalen Real-World-Kohortenstudie. Dafür wurden die Daten von Männern zwischen 30 und 75 Jahren ausgewertet, die paarweise analysiert wurden. Jeweils ein Teilnehmer hatte eine Testosterontherapie ohne Nachweis eines Hypogonadismus begonnen, der andere erst nach vorliegender Diagnose. Die Patienten wurden mittels einer statistischen Methode zehn Jahre nachbeobachtet.
Dabei zeigte sich: Unter einer Testosterontherapie ohne dokumentierten Hypogonadismus wurde ein höheres Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse festgestellt. Genau lag das Risiko in dieser Gruppe bei knapp 17 Prozent, während es bei Personen mit Hypogonadismus nur 12 Prozent waren. Konkret kam bei einem Off-Label-Use häufiger zu einem Schlaganfall, Herzstillstand oder einer Herzinsuffizienz. Und auch das Sterblichkeitsrisiko erhöhte sich – 11 Prozent vs. 6 Prozent.
Demnach ist die Anwendung von Testosteron außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete bei Männern mit einem höheren langfristigen kardiovaskulären Risiko verbunden, so das Fazit. „Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer leitliniengerechten Diagnostik und sorgfältigen Indikationsstellung vor Beginn einer Testosterontherapie“, heißt es weiter.
Übrigens: Bereits vor Längerem hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, vor einer Lifestyle-Anwendung von Testosteron-Präparaten gewarnt.
Da es sich jedoch um eine retrospektive Analyse bereits vorliegender Daten handelte, braucht es klinische Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen und die genauen Zusammenhänge weiter zu untersuchen – auch im Hinblick auf die Anwendungsdauer, Dosierung, Darreichungsform und Co.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
ePA: Sieben Tage Zugriff für Apotheken – auch über Token
Apotheken haben bislang drei Tage Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA). Das soll sich ändern und die Zugriffsdauer für Apotheken …
Cannabisblüten: Keine Erstattung und offene Fragen
Medizinal-Cannabis in Form von Blüten wird von den Kassen nicht mehr erstattet. Versicherte haben nur noch Anspruch auf eine Therapie …
Bräunungsspritzen: Lebensgefahr durch Melanotan-Präparate
Bereits seit Jahren wird über die Nutzung von sogenannten Bräunungsspritzen oder auch Nasensprays mit Bräunungseffekt diskutiert. Die Präparate enthalten Melanotan …












