Scheidenpilz: Backhefe als Behandlungsoption?
Millionen Frauen leiden unter Scheidenpilzinfektionen – oft auch wiederkehrend. Je nach Schwere der Erkrankung ist die Lebensqualität von Betroffenen stark eingeschränkt und effektive Hilfe gefragt. Dafür bringen Forschende nun Backhefe bei Scheidenpilz ins Spiel.
Etwa drei von vier Frauen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Scheidenpilzinfektion – auch Vaginalmykose genannt. Auslöser ist der Hefepilz Candida albicans. Dieser ist zwar ein natürlicher Bestandteil der Vaginalflora, gerät diese jedoch aus dem Gleichgewicht und der Pilz vermehrt sich stark, sind Juckreiz, Brennen, Rötungen und ein Hüttenkäse-ähnlicher Ausfluss die Folge. Behandelt wird Scheidenpilz unter anderem mit Clotrimazol oder Nystatin. Zudem können Präparate mit Milchsäure oder Milchsäurebakterien die Vaginalflora stärken.
Während von Joghurt-Tampons und anderen Hausmitteln eher abgesehen werden sollte, um Schleimhautreizungen zu vermeiden, bringen Forschende für die Zukunft womöglich eine neue Behandlungsoption bei Scheidenpilz ins Spiel: Backhefe.
Scheidenpilz: Backhefe soll Entzündung verringern
Demnach kann ein spezieller Stamm der Backhefe (Saccharomyces cerevisiae), die unter anderem für Brot und Bier genutzt wird, Candida albicans als häufigsten Erreger hemmen und gleichzeitig Entzündungen abschwächen. Das haben Forschende aus Belgien und Deutschland herausgefunden.
So verringerte Backhefe nicht nur das Wachstum von Candida albicans, sondern verhinderte auch, dass die Erreger an Schleimhautzellen haften und schützende Biofilme bilden, um widerstandsfähiger zu werden. Hinzukam ein verstärkender Effekt für die körpereigene Immunabwehr. Im Mausmodell zeigte sich demnach, dass unter Backhefe bei Scheidenpilz eine geringere Pilzbelastung sowie weniger Entzündungen festzustellen waren. „Saccharomyces cerevisiae reduziert den Schweregrad der Vulvovaginalkandidose durch Modulation der Pilzpathogenität und der Entzündungsreaktionen“, heißt es. Demnach wurden proinflammatorische Reaktionen und die Aktivierung von Neutrophilen unterdrückt.
Die Ergebnisse könnten den Forschenden zufolge als Orientierung dienen, um bei Vaginalmykosen neben medikamentöser Behandlung auch auf Mikroorganismen zu setzen, um das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora wiederherzustellen und gleichzeitig überschießende Entzündungsreaktionen zu bremsen. Vor allem bei wiederkehrenden Infektionen sei dies ein möglicher Behandlungsansatz.
Allerdings beruhen die Ergebnisse bisher ausschließlich auf Laboruntersuchungen und Tiermodellen. Nun brauche es weitere, klinische Studien bei Menschen.
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