Joghurt-Tampons, Stillen als Verhütung: Mythen zur Frauengesundheit
Ob in den Sozialen Medien, Foren oder per KI-Befragung: Online findet sich eine Vielzahl an Ratschlägen rund um die Gesundheit. Denn ChatGPT, „Dr. Google“ und Co. dienen bei vielen Menschen längst als Informationsquelle Nummer eins. Auch zum Thema Frauengesundheit kursieren zahlreiche Tipps, die mitunter nicht nur kurios, sondern auch gefährlich sind. Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) klärt zu Joghurt-Tampons und Co. auf.
„Rund um die Frauengesundheit halten sich bis heute viele hartnäckige Mythen“, machen die Expert:innen in einer Mitteilung deutlich. Doch während einige davon harmlos zu sein scheinen oder sogar als sanfte/natürliche Hilfe ins Spiel kommen, drohen auf der anderen Seite Gefahren. „Tatsächlich können sie dazu führen, dass Beschwerden bagatellisiert, ungeeignete Selbstbehandlungen ausprobiert oder wichtige Warnzeichen zu spät frauenärztlich abgeklärt werden“, so die Warnung. Ein Beispiel ist die Nutzung von Joghurt-Tampons gegen Scheidenpilz. Daher enttarnt der BVF die häufigsten Mythen.
Joghurt-Tampons bei gestörter Scheidenflora
Mitunter kursiert der Ratschlag, bei Scheidenpilz und/oder einer gestörten Vaginalflora sogenannte Joghurt-Tampons – mit Joghurt oder Quark präparierte Tampons – zu nutzen. Stichwort Milchsäure. Doch es heißt: Finger weg. „Für Joghurt-Tampons gibt es keine belastbaren klinischen Wirksamkeitsnachweise“, so der BVF. In den entsprechenden Leitlinien werden sie nicht als empfohlene Behandlung geführt. Denn die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien unterscheiden sich von denen in der Scheide. Stattdessen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Unfruchtbarkeit durch Pille und Pille danach als „Abtreibungspille“
Weder die Annahme, dass orale Kontrazeptiva dauerhaft unfruchtbar machen, noch die, dass Notfallkontrazeptiva zum Schwangerschaftsabbruch führen, ist korrekt. Denn für beide Mythen fehlen belastbare wissenschaftliche Grundlagen. Im Gegenteil: Studiendaten zeigen, dass die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen reversibler Verhütungsmethoden in der Regel zurückkehrt. Die Pille danach mit Wirkstoffen wie Levonorgestrel oder Ulipristalacetat sorgt hingegen – bei rechtzeitiger Einnahme – lediglich für eine Verschiebung oder Verhinderung des Eisprungs. „Eine bereits bestehende Schwangerschaft wird dadurch nicht beendet.“
Immer Tasse statt Tampon verwenden
Auch die Annahme, dass die Nutzung von Menstruationstassen generell gesünder ist als Tampons, Binden und Co., verweist der BVF ins Reich der Mythen. Stattdessen müsse jede Frau selbst entscheiden, womit sie sich am wohlsten fühlt. Entscheidend seien außerdem die richtige Anwendung und eine gute Hygiene.
Achtung: Starke Schmerzen während der Periode werden zwar vielfach als normal angenommen, sind es aber nicht. Starke, wiederkehrende oder zunehmende Schmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, um beispielsweise eine Endometriose auszuschließen.
Impfungen: Generell nicht in der Schwangerschaft
Um kaum ein Thema ranken sich so viele Falschannahmen wie um Impfungen. Dazu gehört auch der Mythos, dass diese in der Schwangerschaft generell tabu sind. „So pauschal ist das falsch.“ Demnach muss im Blick behalten werden, um welche Impfung – genau um welchen Impfstoff – es sich handelt. Während eine Immunisierung gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) oder Varizellen mit Lebensimpfstoffen kontraindiziert sind, werden beispielsweise die Impfung gegen Influenza und Pertussis ausdrücklich für Schwangere empfohlen.
Übrigens: Die Impfung zur Vorbeugung von HPV-bedingten Krebsarten ist nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungen zwischen neun und 14 Jahren empfohlen.
Stillen als Verhütungsmethode
Viele Frauen würden dem BVF zufolge annehmen, während der Stillzeit könnte keine erneute Schwangerschaft eintreten. Doch die Expert:innen raten zur Vorsicht. „Stillen kann die Fruchtbarkeit zwar vorübergehend hemmen, ist aber kein automatischer und jederzeit sicherer Empfängnisschutz.“ Auf Stillen als Verhütungsmethode sollten sich Frauen somit besser nicht verlassen.
Wechseljahre: Hormone und Blutungen
Über das Für und Wider einer Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren wird immer wieder diskutiert. Dass diese generell gefährlich ist, weisen die Expert:innen jedoch zurück. Es brauche stets eine gründliche und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung, denn bei einigen Frauen mit belastenden Wechseljahresbeschwerden könne die HRT eine sinnvolle und evidenzbasierte Behandlungsoption sein.
Frauen sollten zudem sensibilisiert werden, dass Blutungen im Anschluss an die Wechseljahre nicht generell als harmlos einzustufen sind. Denn mitunter kann dies ein Warnsignal für Erkrankungen wie ein Endometriumkarzinom sein.
Generell sollten Patient:innen bei Informationen aus dem Internet kritisch bleiben, insbesondere bei vermeintlich schnellen Lösungen, „natürlichen Wundermitteln“ oder pauschalen Warnungen. „Der BVF empfiehlt deshalb, sich bei medizinischen Fragen an wissenschaftlich fundierte Quellen und an die behandelnde Frauenärztin oder den behandelnden Frauenarzt zu halten“, so der Appell.
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