Testosteron: Keine Wirkung gegen Erektionsstörungen?
Testosteron gehört zu den Steroidhormonen und spielt eine unverzichtbare Rolle im Hormonhaushalt. Leiden Patienten an Erektionsstörungen, kommen mitunter Präparate mit Testosteron zum Einsatz. Doch ob diese wirklich Linderung verschaffen, ist fraglich.
Testosteronpräparate finden in verschiedenen Darreichungsformen Anwendung, und zwar nicht nur bei einem Mangel – beispielsweise durch eine Störung der Testosteron-Produktion (Hypogonadismus). Daneben kommen sie mitunter auch als Anti-Aging-Methode, zur Leistungssteigerung oder bei (altersbedingtem) Libidoverlust zum Einsatz. Und auch gegen Erektionsstörungen wird häufig zu Präparaten mit Testosteron gegriffen. Zu Recht?
Zur Erinnerung: Zugelassen sind Testosteron-haltige Arzneimittel zur Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus, sofern ein Testosteronmangel sowohl klinisch als auch labordiagnostisch mehrfach nachgewiesen wurde. Einige Präparate kommen zudem zur Behandlung der chronischen Form der aplastischen Anämie, eines übermäßigen Längenwachstums und bei verspätetem Einsetzen der Pubertät zum Einsatz.
Testosteron gegen Erektionsstörungen: Kaum positive Effekte
Mehrere Millionen Männer leiden hierzulande an Erektionsstörungen beziehungsweise an erektiler Dysfunktion (ED) – die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher ausfallen. Stichwort Scham. PDE-5-Hemmer wie Sildenafil gehören zu den Mitteln der Wahl in der Behandlung von ED. Doch auch Präparate mit Testosteron kommen bei Erektionsstörungen zum Einsatz und werden laut Leitlinie sogar empfohlen.
Ob diese jedoch wirklich für Besserung sorgen können, ist fraglich. Bereits vor Längerem wurde in einer Cochrane Review der Nutzen einer entsprechenden Testosteron-Therapie genauer untersucht. Dafür wurden 43 Studien mit insgesamt knapp 11.500 Teilnehmern ab 40 Jahren mit Erektionsstörungen herangezogen, bei denen die Anwendung von Testosteron-Präparaten mit einem Placebo oder PDE-5-Hemmer verglichen wurde.
Das Ergebnis: Vor allem kurzfristig zeigt sich keine signifikante Verbesserung. Demnach „hat die Testosteronersatztherapie keine oder nur geringe Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit, die sexuelle Zufriedenheit und die kardiovaskuläre Sterblichkeit“, heißt es von den Expert:innen. Die langfristigen Auswirkungen einer Anwendung über mehr als zwölf Monate sind dagegen weiterhin nicht eindeutig geklärt. Immerhin: Nebenwirkungen wurden unter der Behandlung, wenn überhaupt, nur selten festgestellt.
Achtung: Bereits vor Längerem warnte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, dass Testosteronpräparate nicht zur Lifestyle-Anwendung genutzt werden sollten und wies auf die damit verbunden Gefahren hin.
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