Tarifbindung stagniert: Nur jede/r Zweite profitiert
Mehr Lohn, weniger Arbeit: Tarifbeschäftigte profitieren in der Regel von besseren Arbeitsbedingungen. Doch nicht für alle Angestellten greift hierzulande ein Tarifvertrag. Im Gegenteil: Die Tarifbindung stagniert und gilt nur für knapp jede/n Zweiten.
Während sich PTA und andere Apothekenangestellte im Tarifgebiet des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA) bereits im Sommer letzten Jahres über mehr Geld, mehr Urlaub und eine kürzere Wochenarbeitszeit freuen durften, gab es in Nordrhein erst vor Kurzem eine Einigung auf ein Tarifplus. In Sachsen wird unterdessen weiterhin verhandelt.
Kein Wunder, dass sich knapp neun von zehn Kolleg:innen laut einer aposcope-Befragung einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag wünschen. Doch diesen gibt es bekanntlich nicht. Hinzukommt, dass längst nicht für jede/r Kolleg:in überhaupt ein Tarifvertrag gilt. Denn wie sich zeigt, genießt hierzulande nur jede/r zweite Beschäftigte Tarifbindung und diese stagniert seit Jahren.
Zur Erinnerung: Tarifbindung gilt, wenn Angestellte Mitglied in der jeweiligen Arbeitnehmervertretung beziehungsweise Gewerkschaft sind und Chef:innen dem entsprechenden Arbeitgeberverband angehören. Im Fall von Apothekenangestellten sind dies die Adexa und der ADA, die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein oder der Sächsische Apothekerverband (SAV).
Tarifbindung: Beschäftigte hierzulande „abgehängt“
Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, lag die Tarifbindung 2024 bundesweit bei 49 Prozent und blieb damit im Vergleich zu den Vorjahren konstant. Das bedeutet jedoch auch, dass entgegen des EU-Beschlusses, wonach Mitgliedsstaaten, in denen weniger als 80 Prozent tarifbeschäftigt sind, Fördermaßnahmen zur Erhöhung des Anteils ergriffen werden sollen, die Tarifbindung hierzulande stagniert. Verglichen mit Nachbarländern wie Frankreich (100 Prozent), Österreich (94 Prozent) oder Belgien (89 Prozent) fällt diese zudem deutlich niedriger aus.
Für knapp mehr als die Hälfte der Angestellten gilt demnach kein Tarifvertrag, was in der Regel nicht nur weniger Gehalt, sondern auch schlechtere Arbeitsbedingungen bedeutet. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Anteil an Tarifbeschäftigung mit 53 Prozent minimal höher als im Gesamtdurchschnitt. Allerdings zeigte sich auch hier im Vergleich zu 2023 kein Fortschritt.
Hinzukommen deutliche regionale Unterschiede. Während in Bremen knapp sechs von zehn Beschäftigten (56 Prozent) Tarifbindung genießen und im Saarland immerhin 54 Prozent, sind es in Sachsen und Berlin nur knapp mehr als vier von zehn Angestellten (42 Prozent sowie 44 Prozent).
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