Gender Pay Gap: Auch Persönlichkeit beeinflusst das Gehalt
Dass zwischen Männern und Frauen weiterhin eine Gehaltslücke klafft, ist bekannt. Denn noch immer spielt das Geschlecht oftmals eine entscheidende Rolle für den Lohn. Doch auch bestimmte Merkmale der Persönlichkeit beeinflussen das Gehalt – sowohl positiv als auch negativ.
Die Gender Pay Gap zwischen Frauen und Männern liegt hierzulande aktuell bei 16 Prozent. Im Schnitt verdienten weibliche Angestellte pro Stunde rund 4,24 Euro weniger als männliche Beschäftigte. Und das, obwohl Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz eigentlich tabu sein sollten und die gleiche Bezahlung seit Jahrzehnten europarechtlich verankert ist. Doch neben dem Geschlecht selbst beeinflusst auch die Persönlichkeit das Gehalt, und zwar nicht immer positiv. Während Selbstsicherheit, Stressresilienz und Ausgeglichenheit bei Chef:innen gut ankommen, bringen Empathie, Kooperations- und Hilfsbereitschaft eher Nachteile.
Persönlichkeit hat Einfluss auf das Gehalt
Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW). Dabei zeigen sich jedoch wiederum Unterschiede nach Geschlecht. Die Expert:innen vom DIW haben Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2005, 2009, 2012, 2013, 2017, 2019 und 2023 zu den Persönlichkeitsmerkmalen der Teilnehmenden ausgewertet und analysiert, ob und wenn ja welchen Einfluss diese auf das Gehalt haben können.
Das SOEP ist eine repräsentative, multidisziplinäre Langzeitstudie, an der jährlich etwa 30.000 Personen teilnehmen. Die Ergebnisse der Befragungen liefern Einblicke zu Einkommen, Arbeitszeiten, Gesundheit, Lebenszufriedenheit und soziodemografischen Merkmalen.
Entscheidende Merkmale sind dabei emotionale Stabilität – Selbstsicherheit, Stressresilienz und Ausgeglichenheit – sowie Verträglichkeit – Empathie, Kooperations- und Hilfsbereitschaft. „Emotionale Stabilität hängt positiv mit dem Bruttostundenlohn zusammen, Verträglichkeit negativ – bei Männern aber stärker als bei Frauen“, heißt es im Bericht. Während erstere im Schnitt mit einem Plus von 2 Prozent beim Gehalt verbunden ist, ist es bei letzterer ein Minus von 2 Prozent. Bemerkbar macht sich dies beispielsweise in Gehaltsgesprächen, bei denen emotional stabile Personen oftmals bessere Chancen haben, ihre Wünsche durchzusetzen.
Frauen haben meist das Nachsehen
Doch genau hier verschärfen sich geschlechtsspezifische Unterschiede einmal mehr. Der Grund: Frauen haben im Durchschnitt höhere Werte bei Verträglichkeit, Männer hingegen bei emotionaler Stabilität. Konkret bedeutet das: Bei gleicher Bildung, Berufserfahrung, Branche und weiteren Faktoren geht eine stärkere Ausprägung des Merkmals emotionale Stabilität bei Männern mit einem rund zwei Prozent höheren Stundenlohn einher, bei Frauen dagegen nur mit etwa einem Prozent.
„Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie soziale Normen und Erwartungen mit geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden zusammenhängen“, so das Fazit. Um diese abzubauen, brauche es unter anderem ein stärkeres Aufbrechen von Stereotypen – sprich mehr Frauen in männerdominierten Berufen und andersherum.
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