Rheumatoide Arthritis: MTX zu schnell gewechselt
Rund 700.000 Menschen leiden hierzulande an rheumatoider Arthritis, die sich unter anderem in anhaltenden Schmerzen und Funktionseinschränkungen bemerkbar macht. Um Betroffenen Linderung zu verschaffen, kommen verschiedene Behandlungsoptionen infrage, allem voran eine Therapie mit Methotrexat (MTX). Doch der Wirkstoff wird offenbar zu schnell gewechselt, mahnen Forschende.
MTX gehört zu den Zytostatika und besitzt entzündungshemmende, immunsuppressive sowie antineoplastische Eigenschaften. Der Wirkstoff hemmt kompetitiv die Dihydrofolsäure-Reduktase. Als Folge wird ebenfalls die Synthese von DNA und RNA gehemmt, was die Vermehrung von Tumorzellen verhindert. Anwendung findet MTX unter anderem bei onkologischen Erkrankungen, bei schweren Formen von Psoriasis vulgaris und stellt bei rheumatoider Arthritis gemäß Leitlinien den Goldstandard dar. Je nach Indikation kommt es dabei auf die korrekte Dosierung an.
So ist bei rheumatoider Arthritis in der Regel eine wöchentliche subkutane Injektion von 15 bis 20 mg MTX angezeigt. Um mögliche unerwünschte Begleiterscheinungen des Wirkstoffs abzufedern, kann zusätzlich Folsäure angewendet werden. Stellt sich nicht der gewünschte Erfolg ein, können Patient:innen auf biologische oder zielgerichtete krankheitsmodifizierende Antirheumatika (bDMARDs und tsDMARDs) umgestellt werden – die Rede ist von einer Eskalation. Doch diese erfolgt oftmals zu früh, warnen Forschende. Demnach wird das Potenzial von MTX zu wenig genutzt.
Übrigens: Wie Forschende zuletzt ebenfalls herausgefunden haben, kann MTX in der Rheumabehandlung zusätzlich als Herzschutz fungieren und den Blutdruck von Patient:innen senken.
MTX: Potenzial bei RA oft nicht ausgeschöpft
Das hat ein französisches Forscherteam im Fachmagazin EULAR Rheumatology Open deutlich gemacht. Grundlage ist eine Auswertung von Versicherungsdaten von mehr als 52.000 Patient:innen, die zwischen Januar 2016 und Dezember 2021 wegen rheumatoider Arthritis medikamentös behandelt wurden. Überprüft wurde dabei, wie lange die Betroffenen mit MTX und anschließend mit einer anderen Therapie behandelt wurden und wie sich eine Eskalation auswirkte, vor allem finanziell.
Das Ergebnis: Trotz hoher Therapietreue unter MTX wurde bei vielen Patient:innen die Therapie umgestellt, ohne dass eine vollständige Optimierung erfolgte. Denn während sich im Hinblick auf den Therapieerfolg nur eine geringfügige Verbesserung einstellte, steigerten sich die Kosten für die Behandlung enorm, und zwar um mehr als das Doppelte. Daher appellieren die Forschenden, zunächst Dosisanpassungen vorzunehmen und alternative Darreichungsformen von MTX in Betracht zu ziehen, bevor fortgeschrittene Therapien wie die DMARDS in Betracht gezogen werden. So könnte eine Eskalation hinausgezögert werden und andere Wirkstoffe länger als weitere Behandlungsoptionen erhalten bleiben.
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