Reizdarm: Antibiotika erhöhen Risiko um bis zu 70 Prozent
Allein hierzulande leiden rund zwölf Millionen Menschen unter dem Reizdarmsyndrom. Die genaue Ursache der vielfältigen Beschwerden ist noch ungeklärt. Als Risikofaktoren gelten jedoch psychische Belastungen wie Stress, Infektionen sowie die Einnahme von Arzneimitteln. Vor allem Antibiotika können das Risiko für Reizdarm steigern, und zwar um bis zu 70 Prozent.
Leiden Patient:innen unter dem Reizdarmsyndrom – schubweise auftretende, wiederkehrende Magen-Darm-Probleme wie Blähungen, Krämpfe und Durchfall –, schränkt dies die Lebensqualität stark ein. Umso wichtiger ist es für viele Menschen, bestimmte Risikofaktoren zu vermeiden. „Als mögliche Auslöser für das Reizdarmsyndrom werden eine vorherige Behandlung mit Antibiotika und Darmentzündungen diskutiert“, heißt es von der Bundesärztekammer. Forschende haben nun den Zusammenhang zwischen Antibiotika und dem Auftreten eines Reizdarms genauer untersucht. Dabei wird deutlich: Das Risiko für die Erkrankung steigt durch die Behandlung deutlich, und zwar mitunter sogar um 70 Prozent.
Antibiotika: Erhöhtes Risiko für Reizdarm
Der Reihe nach. Ein italienisches Forscherteam hat in einer Metaanalyse die Daten von rund 422.000 Patient:innen aus 31 Studien berücksichtigt. Während ein Teil von ihnen mit Antibiotika behandelt wurde, wurde bei dem Rest auf eine Antibiose verzichtet. Überprüft wurde dabei, ob sich zwischen den beiden Gruppen Unterschiede im Hinblick auf die Häufigkeit eines Reizdarmsyndroms ergeben.
Das Ergebnis: In der ersten Gruppe entwickelte jede/r vierte Patient:in ein Reizdarmsyndrom, ohne Antibiotika-Therapie waren es hingegen nur 20 Prozent. Demnach erhöhten Antibiotika das Risiko für Reizdarm um rund 30 Prozent. Mehr noch.
Erfolgte die Antiobiose aufgrund einer Magen-Darm-Infektion, stieg die Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung sogar um 70 Prozent. Den Grund dafür führen die Forschenden auf die zusätzliche Belastung des ohnehin angegriffenen Darmmikrobioms zurück, sodass sich langfristige funktionelle Beschwerden schneller leichter einstellen können.
„Die Einnahme von Antibiotika ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms verbunden, insbesondere nach Magen-Darm-Infektionen“, fassen die Forschenden zusammen. Ihnen zufolge braucht es jedoch weitere, klinische Studien, um den Zusammenhang eindeutig zu klären.
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