Homöopathie: Beratung der Apotheken „lässt zu wünschen übrig“
Beim Thema Homöopathie scheiden sich die Geister. Während manche auf Globuli schwören, sind andere skeptisch. Dennoch boomt das Geschäft mit Homöopathika. Die Beratung und wissenschaftliche Aufklärung zu Homöopathie in der Apotheke lässt jedoch vielerorts zu wünschen übrig, wie das rbb-Magazin Kontraste in der aktuellen Sendung aufdeckt.
So viel vorweg: Dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass Homöopathika vor bestimmten Krankheiten schützen oder diese gar heilen können, ist längst klar. Trotzdem vertrauen viele Menschen auf Globuli und Co. und fragen entsprechende Präparate in den Apotheken nach. Es ist also Beratung gefragt. Doch genau dort liegt offenbar das Problem. Denn in Sachen Homöopathie in der Apotheke mangelt es laut dem TV-Bericht an Aufklärung.
Trotz Verbot: Apotheken werben für Homöopathika
Aber von vorn. Vor rund einem Jahr sorgte eine Apotheke aus Rheinland-Pfalz für Aufsehen, die Globuli mit Resten von Corona-Impfstoff verkaufte, um angeblich die Impfwirkung zu verstärken. Die Abgabe wurde jedoch kurze Zeit später verboten. Nun erhalten Kund:innen kurzerhand ein Do it yourself-Set zur eigenen Herstellung von „Impf-Globuli“, wie das Magazin berichtet. „Das ist nicht so schwer. Im Prinzip macht man eine Verdünnungsreihe. Dann geht es von einem Fläschchen zum nächsten und dann immer wieder schütteln“, so die Anleitung. Eine andere Apotheke verkauft ein homöopathisches Spray mit Antigen-Bestandteilen, das laut Aussage in der Beratung vor einer Corona-Infektion schützen soll und auch „im akuten Fall“ eingesetzt werden könne. Laut Wettbewerbszentrale eine unzulässige und wettbewerbswidrige Aussage.
Ein Inhaber verkauft selbst hergestellte homöophatische Mittel und ist sich sicher, dass sie gegen Krankheiten wirken. Wie genau, ist aber auch ihm unklar. „Keine Ahnung, ob man da jetzt mit energetischen Wirkungen kommt oder mit quantenphysikalischen, weiß keiner.“ Dabei ist gemäß aktueller Studienlage klar, dass hochverdünnte Homöopathie nicht beziehungsweise nicht besser als Placebos wirken. „Es gibt keine Studien, die das Gegenteil belegen“, erklärt Professor Fritz Sörgel vom Institut für biomedizinische und pharmazeutische Forschung in der Sendung.
Homöopathie in der Apotheke: Zu wenig Aufklärung
Doch damit nicht genug. Wie sich zeigt, wird beziehungsweise wurde sogar in Kammerfortbildungen für die Wirkung sowie die aktive Empfehlung von Homöopathika in der Apotheke geworben, inklusive Teilnahmebescheinigung. Angesprochen auf die Problematik distanzierte sich die betroffene Apothekerkammer Westfalen-Lippe vom jeweiligen Referenten und gab an, ihr Fortbildungsangebot noch einmal genau überprüfen zu wollen.
Und selbst in der Bundesapothekerkammer hakt es beim Thema Homöopathie in der Apotheke, berichtet das Magazin. Präsident Thomas Benkert erklärt, selbst nicht jede/n Kund:in, der/die nach homöopathischen Mittel fragt, auf den wissenschaftlichen Stand hinzuweisen. „Das sage ich nicht jedes Mal dazu. Mit Sicherheit nicht. Dann komme ich aus dem Beraten überhaupt nicht mehr raus.“ Homöopathie sei immerhin mit eine Glaubenssache. Außerdem könne man nicht bei jeder Abgabe sagen „Das verkaufe ich Ihnen jetzt, aber das ist mit Sicherheit […] wissenschaftstechnisch nicht wirksam.“ Denn dies könne man so nicht sagen, immerhin sei es lediglich nach den Standard-Methoden wissenschaftlich nicht erwiesen, dass Homöopathie nicht wirke.
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