Indikationscheck Schwangerschaftshochdruck: Das sind die Mittel der Wahl
Bis zu 15 Prozent der Schwangeren entwickeln eine Hypertonie. Da diese unbehandelt sowohl die Mutter als auch das Ungeborene gefährden kann, ist die richtige Therapie gefragt. Doch hierbei gilt Vorsicht, denn nicht jeder Blutdrucksenker ist geeignet. Wir frischen dein Wissen rund um Schwangerschaftshochdruck auf.
Als Bluthochdruck in der Schwangerschaft gelten Werte ab 140/90 mmHg, die bei wiederholten Messungen bestätigt werden. Das Problem: „Trotz vielfältiger Untersuchungen und Erfahrungen gibt es nach wie vor keine einheitlichen Empfehlungen für die Behandlung schwangerer Frauen mit Bluthochdruck“, heißt es von Embryotox. Das gilt sowohl für die Frage, ab wann überhaupt zu Arzneimitteln gegriffen werden sollte als auch für die Wahl geeigneter Wirkstoffe.
Dabei gilt es zunächst, unterschiedliche Formen von Bluthochdruck in der Schwangerschaft zu unterscheiden, unter anderem:
- Chronische Hypertonie, die vor, während oder nach der Schwangerschaft diagnostiziert wird und oftmals mit einer übermäßigen Ausscheidung von Proteinen über den Urin (Proteinurie) verbunden ist.
- (Prä-)Eklampsie: Eine in der Schwangerschaft neu diagnostizierte Hypertonie mit starker Proteinurie und mitunter mit neu aufgetretener Organmanifestation unbekannter Ursache.
- Schwangerschaftshochdruck (Gestationshypertonie): Eine ab der 20. Schwangerschaftswoche entstehende Hypertonie ohne Proteinurie oder andere Symptome abgesehen von erhöhten Blutdruckwerten. Meist bildet sich Schwangerschaftshochdruck zwölf Wochen nach der Entbindung zurück, kann jedoch auch oftmals zu einer Präeklampsie werden. Betroffen sind vor allem Erstgebärende.
Je nachdem, welche Art von Hypertonie vorliegt, kann sich auch die Therapie unterscheiden. Fest steht: Während die Auswahl an Blutdrucksenkern generell groß ist, gilt für Schwangere besondere Vorsicht. So sind ACE-Hemmer in der Schwangerschaft ebenso kontraindiziert wie Angiotensin-II-Rezeptoragonisten, vor allem ab dem 2. Trimenon. Grund dafür ist ein fetotoxischer Effekt. Und auch auf Diuretika sollte am besten verzichtet werden.
Mittel der Wahl bei Schwangerschaftshochdruck und Co.
Alternativ empfehlen verschiedene Expert:innen folgende Behandlungsoptionen:
- Alpha-Methyldopa: Der Wirkstoff gehört zu den ältesten Antihypertensiva, gilt auch in der Schwangerschaft für Mutter und Ungeborenes als gut verträglich und wird als Mittel der ersten Wahl empfohlen – auch zur Langzeitbehandlung. Studien zur Exposition im 1. Trimenon liegen jedoch bisher kaum vor. Der Wirkstoff hemmt im Gehirn Botenstoffe, die den Blutdruck erhöhen.
- Nifedipin gilt als Mittel der zweiten Wahl, auch im 1. Trimenon. Der Calciumantagonist besitzt blutdrucksenkende und gefäßerweiternde Eigenschaften und hemmt den Calciumeinstrom in die Zellen.
- Magnesiumsulfat: Der Wirkstoff kommt vor allem bei (Prä-)Eklampsie mit zentralnervösen Symptomen zum Einsatz und wird intravenös verabreicht.
- Metoprolol: Der Betablocker sorgt für eine Senkung des Blutdrucks, der Herzfrequenz sowie des Sauerstoffverbrauchs am Herzen und besitzt antiarrhythmische und peripher gefäßverengende Eigenschaften. Der Wirkstoff blockiert die Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren, indem er antagonistisch an die Rezeptoren bindet und somit die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin hemmt. Auch wenn die Studienlage zur Anwendung im 1. Trimenon breiter untersucht ist, wird weiterhin über ein erhöhtes Risiko für fetale Wachstumsrestriktion diskutiert.
- Dihydralazin findet kaum noch Anwendung bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft, vor allem aufgrund möglicher Nebenwirkungen bei werdenden Müttern. Im 1. Trimenon fehlen zudem Daten zur Behandlung und bei chronischer Hypertonie ist der Wirkstoff kontraindiziert.
- Urapidil: Der Alpha-1-Adrenozeptor-Antagonist ist plazentagängig. Die Anwendung kann bei schwerer Gestationshypertonie und Präeklampsie erfolgen und gilt im zweiten und dritten Trimenon als gut verträglich.
Je nach Schwere des Bluthochdrucks kann eine Mono- oder Kombinationstherapie angezeigt sein. Im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte zudem eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, da zu den einzelnen Wirkstoffen meist Daten zur Anwendung in diesem Zeitraum fehlen.
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