Blutwurz statt Antibiotika? Wildblume gegen Resistenzen
Die Zahl der Antibiotikaresistenzen steigt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat daher zuletzt zu einem zielgerichteten Einsatz appelliert, um die weitere Ausbildung zu verhindern. Bleiben bestimmte Antibiotika aufgrund von Resistenzen wirkungslos, könnte Blutwurz eine Alternative darstellen, wie Forschende herausgefunden haben.
Zeigen Antibiotika nicht die gewünschte Wirkung gegen bestimmte bakterielle Erkrankungen – Stichwort Resistenzen –, ist oft ein Ausweichen auf andere Wirkstoffe oder eine Kombination erforderlich. Führt auch dies nicht zum Erfolg, kommen sogenannte Reserveantibiotika ins Spiel, die in § 35a Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) definiert sind. Sie sollen nur bei strenger Indikationsstellung eingesetzt werden und wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten versagt haben. Als Alternative bringen Forschende nun jedoch pflanzliche Hilfe ins Spiel. Genau soll Blutwurz statt Antibiotika auch bei Resistenzen wirken.
Blutwurz – Potentilla erecta – ist vor allem in Moor- und Heidelandschaften heimisch und auch bekannt als Tormentill, Aufrechtes Fingerkraut, Dilledapp, Natternwurz und Siebenfinger. Die Pflanze, die Ähnlichkeiten zur Butterblume aufweist, fand bereits im 19. Jahrhundert gegen Beschwerden wie Zahn- oder Magen-Darm-Probleme Anwendung. Ihr Name leitet sich von den Schmerzen ab, die sie angeblich lindern soll.
Statt Antibiotika: Blutwurz gegen Resistenzen
Ein Team der Universität Southhampton, des NatPro Centre im Trinity College Dublin und der Brunel University of London hat herausgefunden, dass Blutwurz – anders als viele Antibiotika – auch bei Resistenzen wirksam ist. Genau kann die Wildblume das Wachstum des Bakteriums Acinetobacter baumannii hemmen, das gegen zahlreiche Wirkstoffe resistent ist. Dafür wurden 70 verschiedene Moorpflanzen im Hinblick auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften untersucht. In den Laboruntersuchungen zeigte sich zudem, dass Blutwurz in Kombination mit dem Reserveantibiotikum Colistin dessen Wirkung deutlich verstärkte und verlängerte.
Den Effekt der Wildblume führen die Autor:innen auf die Inhaltsstoffe Agrimonin und Ellagsäure zurück, die den Bakterien Eisen entziehen und so deren Wachstum hemmen. Dies bestätigte sich, wenn die Forschenden im Labor wieder Eisen hinzugaben, wodurch die Bakterien wieder zu wachsen begannen.
Die Ergebnisse sind den Forschenden zufolge nur ein erster Schritt, können jedoch dazu anregen, neue Arzneimittel auf dieser Basis zu entwickeln, um Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Blutwurz habe demnach das Potenzial, zur Entwicklung neuer antimikrobieller Mittel beizutragen.
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