Abnehmmittel: Keine Besserung der Lebensqualität
Ob Spritzen oder Pillen: Abnehmmittel stehen in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Verfügung. Doch während Semaglutid, Tirzepatid und Co. zu einem schnellen Gewichtsverlust führen, bessert sich die Lebensqualität dadurch meist nicht.
Überschüssige Pfunde schnell loswerden, ohne großen Aufwand: Um diesen Wunsch wahrwerden zu lassen, greifen zahlreiche Menschen zu Abnehmmitteln, ob in Tablettenform oder als Spritzen. Vor allem Präparate mit GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder dem Twinkretin Tirzepatid erfreuen sich seit Längerem wachsender Beliebtheit. Der Grund: Sie führen zu einer verringerten Energieaufnahme infolge einer Appetitverminderung und sorgen so für einen schnellen Gewichtsverlust, der in mehreren Studien nachgewiesen wurde. Doch neben einem drohenden Jo-Jo-Effekt stellt sich die Frage, ob sich unter entsprechenden Abnehmmitteln auch insgesamt die Lebensqualität von Nutzer:innen verbessert. Dem ist ein Forscherteam auf den Grund gegangen.
Die Studie
In einer Metaanalyse hat ein Team der MAGIC Evidence Ecosystem Foundation in Oslo (Schweden) mehr als 260 klinische Studien herangezogen und überprüft, ob verschiedene Abnehmmittel neben dem Gewichtsverlust auch die Lebensqualität verbessern und beispielsweise das kardiovaskuläre Risiko verringern können. Dies wurde anhand von rund 100.000 erwachsenen Personen mit Übergewicht (BMI über 25) oder Adipositas (BMI über 30) analysiert. Verglichen wurden dabei insgesamt 19 verschiedene Abnehmmittel, von denen ein Teil noch nicht zugelassen ist.
Das Ergebnis wurde in der Fachzeitschrift BMJ veröffentlicht und zeigt: Nach einem Jahr Anwendung stellte sich zwar der erhoffte Gewichtsverlust ein, die weiteren Lebensumstände wurden jedoch nicht signifikant verändert.
Abnehmmittel verbessern Lebensqualität nicht
Am größten fiel der Gewichtsverlust mit jeweils knapp 15 Prozent unter Tirzepatid und einem Kombipräparat aus Semaglutid und Cagrilinitid, das noch nicht zugelassen ist, aus. Auch Semaglutid in Tablettenform (11 Prozent) und als Spritze (10 Prozent) konnte überzeugen. Das Problem: Je größer der Gewichtsverlust, desto größer auch das Risiko für Nebenwirkungen, allem voran Magen-Darm-Probleme. Hinzukam ein Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen der Präparate. Außerdem machen die Forschenden deutlich, dass der zusätzliche gesundheitliche Nutzen generell gering ausfiel. Weder das kardiovaskuläre Risiko konnte verringert noch die Lebensqualität durch die Abnehmmittel verbessert werden.
„Die meisten Medikamente gegen Fettleibigkeit verbessern weder die Lebensqualität noch die Herzgesundheit“, heißt es in einer Mitteilung. Lediglich Abnehmspritzen mit Semaglutid sorgten dafür, dass das Risiko für Herzinfarkt oder -schwäche beziehungsweise Tod geringer ausfiel. Tirzepatid verringerte immerhin die Gefahr für Herzschwäche.
Weil jedoch ein Großteil der berücksichtigten Studien nur eine begrenzte Laufzeit hatte, müssen die langfristigen Effekte der Abnehmmittel auf die Lebensqualität noch weiter untersucht werden. Fest steht außerdem: „Behandlungsentscheidungen sollten individuell getroffen werden, wobei der erwartete Nutzen, die Risiken, die Belastung durch die Behandlung, die Kosten, die Verfügbarkeit und die Präferenzen des Patienten abgewogen werden müssen“, so das Fazit.
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