Migräneprophylaxe: Was wirkt (nicht)?
Etwa acht Millionen Menschen leiden allein hierzulande unter Migräne – Frauen meist häufiger als Männer. Kommt es zu einer Attacke, ist die Lebensqualität von Betroffenen meist stark eingeschränkt. Hilfe kommt mit verschiedenen Wirkstoffgruppen, und zwar nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung. Doch welche Migräneprophylaxe wirkt am besten?
Das wollte ein Team der McMaster University Ontario (Kanada) herausfinden und hat eine Metaanalyse aus 43 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt knapp 15.000 Patient:innen durchgeführt. Zu den gemäß Leitlinie empfohlenen Optionen zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat gehören neben CGRP-Rezeptorblockern, Betablockern und Antikonvulsiva auch Gepante.
Die Arzneimittel sollten zum Einsatz kommen bei hoher Attackenfrequenz (≥ 3 pro Monat), hohem Leidensdruck, großer Einschränkung der Lebensqualität, Unwirksamkeit oder schlechter Wirksamkeit der Akuttherapie und beim Risiko eines Medikamentenübergebrauchs. Das Ziel der Forschenden war es, herauszufinden, ob die Empfehlungen zur Migräneprophylaxe im Vergleich zu Placebo auch wirklich eine Verbesserung für Betroffene bringen.
Migräneprophylaxe: Wirkstoffe senken Kopfschmerztage
Das Ergebnis: Alle fünf in der S1-Leitlinie empfohlenen Optionen, vor allem aber CGRP-Rezeptorblocker beziehungsweise -Antagonisten, können „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ dazu beitragen, die monatliche Zahl der Kopfschmerztage zu reduzieren, und zwar im Schnitt um zwei Tage.
Am deutlichsten fiel die Reduktion der Migräne-Tage unter Eptinezumab mit im Schnitt minus 2,34 Tagen aus, gefolgt von Atogepant (minus 2,1 Tage), Erenumab (minus 2,08 Tage) und Galcanezumab (minus 2 Tage). Mit Ausnahme von Eptinezumab sind die jeweiligen Wirkstoffe außerdem mit einer hohen Ansprechrate verknüpft, was bedeutet, dass sie für eine Reduktion der monatlichen Migränetage oder -attacken um mehr als 50 Prozent sorgen können.
Für den sowohl zur Akuttherapie als auch zur Migräneprophylaxe zugelassenen CGRP-Rezeptor-Antagonisten Rimegepant ließ sich dagegen keine signifikante Verbesserung bei der Vorbeugung feststellen.
Achtung: Für die Wirkstoffe Propranolol, Topiramat und Valproat sowie für Botulinumtoxin ist die Evidenz nur gering beziehungsweise sogar sehr gering.
Therapieabbrüche waren unter Placebo und den Wirkstoffen etwa gleich häufig. Unter Erenumab und Atogepant traten häufiger Nebenwirkungen wie Verstopfung und Übelkeit auf. Die Forschenden geben jedoch zu bedenken, dass die berücksichtigten Studien mitunter Verzerrungen aufweisen können.
In weiteren Studien sollten nun die einzelnen Wirkstoffgruppen in direkten Vergleich zueinander gestellt und dabei auch Langzeitsicherheit, Lebensqualität und Kosteneffizienz berücksichtigt werden, um eine individuell passende Auswahl treffen zu können. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Depressionen oder Angststörungen sollten dabei jedoch stets Berücksichtigung finden, ebenso das mögliche Vorliegen einer Schwangerschaft.
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