Cannabis zur Entspannung: THC gegen Schlafstörungen?
Bis zu jede/r dritte leidet hierzulande unter Schlafproblemen. Die Ursachen können vielfältig sein. Neben Stress und Ängsten gehören auch traumatische Erlebnisse dazu. Stichwort posttraumatische Belastungsstörung. Gegen damit verbundene Schlafstörungen bringen Forschende nun THC ins Spiel.
Etwa 2 bis 3 Prozent der Menschen hierzulande entwickeln im Lauf ihres Lebens mindestens einmal eine posttraumatische Belastungsstörung. Ursachen sind traumatische Erlebnisse wie Gewaltverbrechen, Unfälle, belastende Nachrichten oder auch medizinische Notfallsituationen. Neben Stimmungsschwankungen gehören auch Schlafstörungen zu den häufigsten Symptomen. Um diese zu lindern und Betroffenen nachts zur Entspannung zu verhelfen, hat ein Forscherteam der Berliner Charité den Einsatz von Cannabis untersucht. Das Ergebnis: THC kann traumatisch bedingten Schlafstörungen – genau Albträumen – entgegenwirken.
Zur Erinnerung: Tetrahydrocannabinol (THC) wird aus der Hanfpflanze gewonnen und gilt hierzulande als verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel. Beim Konsum in alltagsüblichen Mengen hat das Cannabinoid eine berauschende – genauer eine psychoaktive – Wirkung.
Traumatisch bedingte Schlafstörungen: THC lindert Albträume
Der Reihe nach. Weil bisherige medikamentöse Therapieansätze mit Antidepressiva oder Blutdrucksenkern keine ausreichende Wirkung zeigen, haben Forschende der Charité untersucht, wie sich der Einsatz von Cannabis auf Schlafprobleme im Zuge von Traumata auswirkt. Dafür wurden Patient:innen mit posttraumatischer Belastungsstörung und häufigen, intensiven Albträumen berücksichtigt. Alle Teilnehmenden wurden über zehn Wochen täglich entweder mit einem Placebo oder einem Cannabis-Arzneimittel behandelt. Eingesetzt wurde THC in Tropfenform, genau das verschreibungspflichtige Dronabinol. Die Verabreichung erfolgte abends vor dem Schlafengehen. Verglichen wurde anschließend, ob und wie sich das Auftreten von Albträumen veränderte.
Dabei zeigte sich: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sprach auf die Cannabis-Therapie gut an und die Schlafstörungen konnten durch THC vermindert werden. „Zum Ende des Studienzeitraums waren die Albträume in der Dronabinol-Gruppe deutlich stärker zurückgegangen als unter einer Placebo-Einnahme“, heißt es. Genau sank die Albtraumlast auf einer Skala von null bis acht Punkten unter THC im Schnitt um 3,7 Punkte. Bei rund einem Drittel traten während der Behandlung überhaupt keine Albträume mehr auf, bei einem Fünftel nur noch halb so viele wie vor der Behandlung. „Insgesamt nahmen rund fünf von sechs Patientinnen und Patienten in der Dronabinol-Gruppe ihren Gesundheitszustand subjektiv als deutlich verbessert wahr“, fassen die Forschenden zusammen.
Schon vor der Studie gab es Hinweise, dass THC im REM-Schlaf die Traumaktivität abschwächt und damit nächtliche Stressreaktionen mildert. Dies kann anhand der Ergebnisse bestätigt werden. Der Grund: Der Wirkstoff greift unter anderem in das körpereigene Endocannabinoid-System ein, das an der Regulation von Schlaf, Stress und der Verarbeitung von emotionalen Erinnerungen beteiligt ist.
Schwere Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen traten unter der Therapie beziehungsweise nach deren Ende nicht auf. Nun soll in weiteren Studien geprüft werden, ob die Einnahme von THC bei traumatisch bedingten Schlafstörungen auch langfristig wirksam und sicher ist.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Telmisartan: Mundtrockenheit durch Blutdrucksenker?
Etwa ein Drittel der Menschen hierzulande leiden unter Bluthochdruck. Zur Behandlung kommen verschiedene Wirkstoffgruppen ins Spiel, darunter auch Sartane. Doch …
Schmerzstillend und keimabtötend: Wirkstoff-Duo gegen Halsschmerzen
Wick bringt mit Angimed zwei neue Produkte gegen Halsschmerzen in die Sichtwahl. Die Wirkstoffkombination aus Lidocain und Chlorhexidin soll mit …
Carbamazepin falsch deklariert
Carbamazepin Aristo 300 mg Retardtabletten sind in einer Packungsgröße in mehreren Chargen mit fehlerhafter Deklaration im Handel. Auf der Umverpackung …












