Angststörungen wegen zu wenig Cholin?
Rund 8 Prozent der Menschen erhalten hierzulande die Diagnose Angststörungen, Frauen meist deutlich häufiger als Männer. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Auch die Nährstoffversorgung kann dabei eine Rolle spielen. Genau könnte eine Unterversorgung mit Cholin mit Angststörungen im Zusammenhang stehen, zeigen Forschende.
Cholin spielt unter anderem eine wichtige Rolle für die Integrität der Zellmembranen, den Fetttransport und Methylierungsprozesse, bei denen Homocystein im Körper weiterverarbeitet wird. Der Nährstoff kann vom Körper, genau in der Leber, selbst gebildet werden, aber lediglich in geringen Mengen, die meist nicht ausreichen. Daher ist mitunter eine zusätzliche Aufnahme wichtig. Als Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr nennt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene sowie Jugendliche von 15 bis 17 Jahren 400 mg/Tag. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf – für sie werden 480 beziehungsweise 520 mg Cholin/Tag empfohlen. Eigelb hat den höchsten Cholingehalt, der sogar über dem Tagesbedarf liegt.
Findet sich zu wenig Cholin im Körper, kann dies negative Folgen haben, darunter Störungen der Leberfunktion. Aber auch kognitive Beeinträchtigungen drohen. Denn aus dem Mineralstoff wird der Neurotransmitter Acetylcholin gebildet, der Lernprozesse, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisfunktionen im Gehirn beeinflusst. Daher ist eine Unterversorgung mitunter mit einem erhöhten Risiko für Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwierigkeiten und vermindertes Erinnerungsvermögen verbunden. Und auch Angststörungen können im Zusammenhang mit zu wenig Cholin stehen.
Achtung: Cholin wurde früher häufig auch als Vitamin B4 bezeichnet, es handelt sich jedoch nicht um ein Vitamin, sondern eine vitaminähnliche Substanz.
Angststörungen: Cholin-Unterversorgung als Auslöser?
Das hat ein Team der University of California (USA) herausgefunden. In mehr als 700 ausgewerteten Gehirnscans zeigte sich, dass Personen mit einer diagnostizierten Angststörung im Schnitt 8 Prozent weniger Cholin im Gehin aufwiesen als gesunde. Dies könnte im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung stehen, da vor allem im präfrontalen Cortex oftmals zu wenig Cholin nachgewiesen werden konnte – einem Bereich, der an der Emotionskontrolle und Stressregulierung beteiligt ist. Mögliche Gründe dafür können den Forschenden zufolge dauerhafter Stress und innere Alarmbereitschaft sein, die den Bedarf des Gehirns an Cholin steigern könnten. Kann dieser nicht gedeckt werden, können Angststörungen die Folge sein.
Cholin nicht auf eigene Faust supplementieren
Allerdings wird in der Untersuchung betont, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass eine Supplementierung von Cholin automatisch gegen Angststörungen hilft oder vor deren Auftreten schützt. Von einer Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungsmittel auf eigene Faust wird daher dringend abgeraten. Stattdessen sollen zunächst weitere Studien die klinische Bedeutung verringerter Cholin-Werte und die Möglichkeit einer therapeutischen Wirkung einer angemessenen Cholin-Supplementierung bei Angststörungen klären.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Desogestrel und Co.: Neue Kontraindikation für Minipille
Minipillen mit Gestagenen wie Desogestrel oder Etonogestrel erfreuen sich zur Verhütung großer Beliebtheit, denn sie sind oftmals mit weniger Nebenwirkungen …
Erdnussallergie: Palforzia-Erhaltungstherapie bis Jahresende aus Frankreich
Der Vertrieb von Palforzia (Erdnussprotein, Stallergenes) wird zum 31. Juli eingestellt. Die Versorgung der Patient:innen mit der Erhaltungstherapie zu 300 …
Prednisolon, Digitoxin: SVA berät über Rezeptpflicht
Morgen tagt der Sachverständigenausschuss (SVA) für Verschreibungspflicht. Auf der Agenda stehen OTC-Switches von Prednisolon zur Anwendung auf der Haut, Hyoscyami …















