Blasenentzündung: Cranberry als Wirkverstärker von Fosfomycin
Rund 400 Millionen Menschen weltweit erkranken jährlich an einer Blasenentzündung. Mitunter muss diese mit Antibiotika behandelt werden, beispielsweise mit Fosfomycin. Dabei könnte Cranberry als Wirkverstärker für die Antibiose fungieren, wie Forschende zeigen.
Brennen, Schmerzen und ständiger Harndrang – eine Blasenentzündung (Cystitis) kommt nicht nur immer zur unpassenden Zeit, sondern ist vor allem unangenehm. Das Problem: Sie tritt häufig wiederholt auf und wird so bei vielen Betroffenen zum ständigen Begleiter – insbesondere bei Frauen. Auslöser sind oftmals Bakterien wie Escherichia coli.
Während zur Behandlung unkomplizierter, bakterieller Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen laut Leitlinie vor allem Phytopharmaka empfohlen werden, kann mitunter auch eine Antibiose angezeigt sein. Mittel der Wahl ist dabei oftmals Fosfomycin. Und auch über den Effekt von Cranberrys wird bei Cystitis immer wieder diskutiert. Nun zeigt sich: In Kombination mit Fosfomycin kann Cranberry als Wirkverstärker dienen und so Antibiotikaresistenzen verringern.
Fosfomycin besitzt bakterizide Eigenschaften und hemmt die erste Stufe der intrazellulären bakteriellen Zellwandsynthese – genau die Mureinbiosynthese – durch Blockade der Peptidoglykansynthese. Fosfomycin gehört zu den Epoxid-Antibiotika und wirkt als Breitbandantibiotikum. Der Wirkstoff erreicht seine maximale Serumkonzentration nach etwa zwei bis drei Stunden, die Halbwertszeit liegt bei drei bis vier Stunden.
Pflanzliches Adjuvans: Cranberry verstärkt Fosfomycin-Wirkung
Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) deutlich gemacht hat, können Cranberry-Präparate bei Blasenentzündung vor allem vorbeugend eingenommen werden, um Rezidive zu verhindern. Doch nun hat ein Team vom Institut National de la Recherche Scientifique in Montreal (Kanada) in einer experimentellen Studie herausgefunden, dass Cranberry als Wirkverstärker von Antibiotika – genau von Fosfomycin – dienen kann.
Anhand von im Labor gezüchteten Bakterienstämmen von 32 E. coli-Stämmen konnte demnach nachgewiesen werden, dass die Gabe von Cranberrysaft in Kombination mit einer Fosfomycin-Behandlung in knapp drei Viertel der Fälle die Aktivität des Antibiotikums verstärkt wurde. Mehr noch. Dadurch konnte auch die Ausbildung von Resistenzen gehemmt werden. Grund dafür sind verschiedene Einflüsse auf Nährstoffkanäle, durch die das Antibiotikum in die Bakterien gelangt. Cranberrysaft führte demnach dazu, dass die Antibiotikaaufnahme verstärkt wurde.
Ob dies nicht nur im Labor, sondern auch bei realer Anwendung zutreffe, sei jedoch nicht klar, so die Forschenden. „Wir wissen nicht, ob die Stoffwechselprodukte die Infektion erreichen.“ Sollte dies jedoch der Fall sein, könnte der Saft die Wirksamkeit einer Antibiotikabehandlung erhöhen. Somit brauche es weitere Studien, auch um die benötigte Menge an Saft zu ermitteln, damit Cranberry als Wirkverstärker von Fosfomycin fungieren kann.
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