Statt Anaphylaxie: Vergiftungssymptome wegen Muskat-Überdosis
Dass bei Arzneimitteln die korrekte Dosierung entscheidend ist, um unerwünschte Wirkungen zu verhindern, ist bekannt. Doch auch bei bestimmten Lebensmitteln gilt Vorsicht. Ein Beispiel ist die Muskatnuss, die meist als Gewürz zum Einsatz kommt. Eine Muskat-Überdosis kann jedoch Vergiftungssymptome zur Folge haben.
Darüber wurde in einem Fallbericht beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin informiert. Der Fall: Ein zweieinhalbjähriges Kind wurde mit Beschwerden wie Fieber (knapp 38 Grad), erhöhter Herzfrequenz (200/Min.), wiederholtem Erbrechen und einem stark eingeschränkten Allgemeinzustand in die Notaufnahme eingeliefert. Obwohl die behandelnden Ärzt:innen eine anaphylaktische Reaktion aufgrund einer kürzlich diagnostizierten Nussallergie vermuten, schlägt die eingeleitete Therapie mit Adrenalin, Clemastin und Prednisolon nicht an.
Selbst am nächsten Morgen war der kleine Patient noch tachykard, wirkte schlapp und benommen. Bei der Abfrage der genauen Nahrungsaufnahme am Vortag ergab sich die Ursache für den Zustand des Kindes: eine Muskat-Überdosis, die zu Vergiftungssymptomen geführt hat. Denn das Kind hatte zum Abendessen zunächst zwei Teelöffel Joghurt mit einem Viertel Löffel Muskat verzehrt, später nochmals zwei Teelöffel Joghurt mit einem halbem Löffel Muskat.
Muskat enthält ätherische Öle, Alkylbenzenderivate wie Myristicin, Elemicin, Safrol sowie Terpene und Myristinsäure, die womöglich giftig sein können – insbesondere bei Aufnahme größerer Mengen. Bei Vergiftungserscheinungen sollte kein Erbrechen ausgelöst, sondern lediglich ein Glas Flüssigkeit getrunken und Arztrücksprache gehalten werden.
Muskat-Überdosis sorgt für Vergiftungssymptome
Nach Angaben des zuständigen Giftnotrufs wurde im vorliegenden Fall eine Menge von rund 1 g Muskat aufgenommen worden, was zu Vergiftungserscheinungen geführt hat. Bei Erwachsenen treten diese den Expert:innen zufolge ab 4 g ein, bei Kindern genügen dagegen schon kleinere Mengen aufgrund der geringeren Körpergröße. Das Gewürz besitzt psychotrope, halluzinogene und anticholinerge Eigenschaften und kann bei Überdosierungen zwei bis sechs Stunden nach der Einnahme zu Müdigkeit, Lethargie, Ataxie, Übelkeit und Erbrechen sowie zu Tachykardie führen. So auch bei dem eingelieferten Kind, dessen Zustand sich jedoch einige Zeit später wieder vollständig normalisierte.
Die Ärzt:innen raten jedoch dazu, Eltern entsprechend zu sensibilisieren und insbesondere bei vorliegenden Nahrungsmittelallergien besonders vorsichtig zu sein.
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