Abnehmspritzen: Nährstoffmangel durch Semaglutid und Co.?
Weil sogenannte Abnehmspritzen vor allem den Appetit vermindern, lassen sie bei Anwender:innen schnell die Pfunde purzeln. Denn es wird schlicht weniger gegessen. Doch das kann auch unerwünschte Folgen haben. So könnte unter Abnehmspritzen ein Nährstoffmangel drohen, warnen Forschende aktuell.
Abnehmspritzen mit Wirkstoffen wie Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid werden nicht umsonst so bezeichnet. Denn die Injektionen ermöglichen in der Regel schnell einen deutlichen Gewichtsverlust. Der Grund: Sowohl Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptoragonisten (GLP1) – Semaglutid – als auch duale GLP1/glukoseabhängige insulinotrope Polypeptid-Agonisten (GIP) – Tirzepatid – führen zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels sowie zur Appetitreduktion.
So ist beispielsweise Wegovy (Semaglutid, Novo Nordisk) als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung, einschließlich Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung, bei Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von ≥ 30 kg/m2 (Adipositas) oder ≥ 27 kg/m2 bis < 30 kg/m2 (Übergewicht), bei denen mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt, angezeigt. Doch auch viele normalgewichtige Personen nutzen entsprechende Präparate zum schnellen Abnehmen, machte zuletzt die Verbraucherzentrale deutlich und warnte vor möglichen Folgen.
Dazu gehören nicht nur ein Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen, sondern auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und einige weitere. Hinzukommt, dass die Appetitreduktion an sich mit unerwünschten Effekten verbunden sein kann. Genau droht unter Abnehmspritzen ein Nährstoffmangel.
Abnehmspritzen: Gewichtsverlust und Nährstoffmangel?
Das machen Forschende des IRCCS San Raffaele Hospital in Mailand nun beim diesjährigen European Congress on Obesity deutlich. Grundlage sind Studienergebnisse, für die die Daten von mehreren hundert Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas ausgewertet wurden. Während ein Teil von ihnen mit sogenannten Abnehmspritzen behandelt wurde, traf dies auf den anderen Teil nicht zu. Mittels Trackingapps wurde das Ernährungsverhalten analysiert, und zwar über insgesamt mehr als 5.700 Tage.
Wenig überraschend führte der Einsatz der Spritzen zu einem deutlicheren Gewichtsverlust. Dies lag vor allem an der verringerten Energieaufnahme durch die Appetitreduktion. Doch dies führte auch dazu, dass weniger notwendige Nährstoffe aufgenommen wurden. So konnte der tägliche Proteinbedarf unter der Behandlung nur selten gedeckt werden. Genau lag die Proteinaufnahme angepasst an das jeweilige Gewicht im Schnitt bei 0,6 g/kg/Tag und damit in einem kritisch niedrigen Bereich. Knapp neun von zehn Patient:innen erreichten unter den Abnehmspritzen nicht den empfohlenen Wert für die Proteinaufnahme. Die Folge: Neben einem Gewichts- auch ein drohender Muskelverlust. Ähnlich dürfte es sich im Hinblick auf Kohlenhydrate und wichtige Fette verhalten.
Daher appellieren die Forschenden, Patient:innen unter der Behandlung mit Abnehmspritzen im Hinblick auf einen möglichen Nährstoffmangel zu überwachen und entsprechend aufzuklären, sodass trotz Behandlung, möglichst gesunde Ernährungs- und Lebensgewohnheiten eingehalten werden.
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