Schwangerschaft: Welche Wirkstoffe erhöhen das Autismus-Risiko?
Für Schwangere gilt im Hinblick auf die Arzneimitteleinnahme besondere Vorsicht, schließlich kommt es auch auf die Gesundheit des Ungeborenen an. Unter bestimmten Wirkstoffen in der Schwangerschaft kann beispielsweise das Autismus-Risiko steigen, zeigen neue Daten.
Vor mehreren Monaten hatte US-Präsident Donald Trump für Wirbel gesorgt, nachdem er behauptet hatte, die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft sei mit einem erhöhten Autismus-Risiko bei ungeborenen Kindern verbunden. Mehrere Studien gaben jedoch bereits Entwarnung. Doch das gilt nicht für alle Arzneimittel. Denn einige können tatsächlich mit einer erhöhten Gefahr für entsprechende Entwicklungsstörungen verbunden sein. Durch welche Wirkstoffe das Autismus-Risiko bei einer Einnahme in der Schwangerschaft steigt und was die Gründe dafür sind, beantworten neue Studiendaten.
Autismus-Risiko: 15 Wirkstoffe auf dem Prüfstand
Ein US-Forscherteam der University of Nebraska hat die Gesundheitsdaten von mehr als sechs Millionen Müttern und Kindern analysiert und dabei überprüft, ob ein Zusammenhang zwischen der Anwendung bestimmter Medikamente in der Schwangerschaft und dem Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen beim Kind besteht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht.
Untersucht wurden 15 Wirkstoffe aus unterschiedlichen Gruppen wie Antidepressiva, Antipsychotika, Anxiolytika, Betablocker und Statine:
- Aripiprazol
- Atorvastatin
- Bupropion
- Buspiron
- Cariprazin
- Fluoxetin
- Haloperidol
- Metoprolol
- Nebivolol
- Pravastatin
- Propranolol
- Rosuvastatin
- Sertralin
- Simvastatin
- Trazodon
Alle Wirkstoffe hemmen die sogenannte Sterolbiosynthese und greifen damit in die Cholesterinsynthese des Körpers ein. Da Cholesterin für die Entwicklung des Gehirns eine entscheidende Rolle spielt, können Störungen im Bildungsprozess die Entwicklung beeinträchtigen.
Wegen Autismus-Risiko: Wirkstoffe in der Schwangerschaft tabu?
Dabei zeigte sich: Die Verschreibung von Medikamenten, die bekanntermaßen den Cholesterinsyntheseweg hemmen, waren allesamt mit höheren Raten von Autismus-Spektrum-Störungen beim Nachwuchs verbunden. Rund jedes siebte Kind war dabei in der Schwangerschaft mit entsprechenden Wirkstoffen exponiert. Wendeten Schwangere mindestens einen der Wirkstoffe an, erhöhte dies das Autismus-Risiko um das 1,47-Fache. Am höchsten fiel die Gefahr unter dem Antipsychotikum Cariprazin, dem Neuroleptikum Aripiprazol und dem Statin Pravastatin aus. Unter mehreren Wirkstoffen parallel stieg die Gefahr zudem, und zwar auf mehr als das Zweifache unter vier oder mehr gleichzeitig verschriebenen Wirkstoffen. Zudem steigerte sich das Risiko dosisabhängig.
Dennoch machen die Forschenden klar, dass die Ergebnisse nicht automatisch bedeuten, entsprechende Arzneimittel eigenmächtig abzusetzen. Stattdessen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen und insbesondere in sensiblen Phasen der Schwangerschaft Vorsicht gelten. So beginnt beispielsweise in der 19. bis 20. Schwangerschaftswoche das fetale Gehirn mit der eigenen Cholesterinproduktion.
Außerdem raten die Forschenden dazu, das Fachpersonal stärker in Bezug auf entsprechende Risiken zu sensibilisieren, sodass Alternativen gefunden und Mehrfach-Verschreibungen vermieden werden können.
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