Vitamin D: Tinnitus durch Mangel?
Rund drei Millionen Menschen leiden hierzulande dauerhaft oder wiederkehrend unter Ohrgeräuschen wie Klingeln, Pfeifen, Piepen oder Rauschen. Die Rede ist vom Tinnitus – einer spontanen oder unnormalen Aktivität im Hörsystem. Verschiedene Faktoren können die Beschwerden verschlimmern, darunter auch Arzneimittel. Welche Rolle Vitamin D bei Tinnitus spielt, machen Forschende nun deutlich.
Vitamin D gilt als Multitalent, denn dem Sonnenvitamin werden verschiedene positive Eigenschaften zugesprochen. Dazu gehören die Unterstützung starker, gesunder Knochen sowie die Beteiligung an verschiedenen Stoffwechselvorgängen. Kein Wunder, dass ein Mangel an Vitamin D verschiedene negative Auswirkungen haben kann. So steigen unter anderem die Gefahr von Osteoporose und das Sterberisiko. Und auch auf einen vorliegenden Tinnitus kann Vitamin D beziehungsweise zu wenig davon Folgen haben. Genau soll ein Mangel die Beschwerden verschlimmern, haben Forschende herausgefunden.
Achtung: Auch ein „zu Viel“ an Vitamin D kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben und sogar zu Vergiftungserscheinungen führen.
Zur Erinnerung: Die optimale Versorgung mit Vitamin D liegt bei Serumkonzentrationen von 25(OH)D über 30 ng/ml. Fällt der Vitamin D-Spiegel leicht unter die 30 ng/ml-Marke, wird von einer nicht mehr optimalen Versorgung gesprochen. Als Vitamin D-Mangel werden dagegen Werte unter 20 ng/ml eingestuft. Bei mehr als 50 ng/ml ist von einer Überversorgung die Rede.
Tinnitus: Mangel an Vitamin D beeinflusst Schweregrad
Dafür hat ein Forscherteam aus Ungarn jeweils rund 350 Patient:innen mit oder ohne vorliegende Tinnitus-Symptome im Hinblick auf ihren Vitamin D-Spiegel analysiert. Genau wurde der Vitamin D3-Gehalt im Blut überprüft. Außerdem erfolgte eine umfassende HNO- und audiologische Untersuchung, um mögliche Zusammenhänge zwischen der Versorgung mit dem Sonnenvitamin und entsprechenden Beschwerden feststellen zu können.
Das Ergebnis: Mehr als jede/r zweite Tinnitus-Betroffene wies einen Vitamin D-Mangel auf, während es in der Kontrollgruppe ohne Hörprobleme nur knapp jede/r Dritte war. Generell fiel der Vitamin D-Spiegel bei Tinnitus-Patient:innen geringer aus als bei gesunden Personen.
Doch damit nicht genug. Denn ein Mangel an Vitamin D wirkte sich auch auf den Schweregrad von Tinnitus aus, der mithilfe eines Fragebogens zum Ausmaß der Belastung durch die Ohrgeräusche ermittelt wurde. Zudem wurden die Beschwerden häufiger chronisch.
Supplementierung als Behandlungsoption?
Den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Tinnitus führen die Forschenden unter anderem darauf zurück, dass Vitamin D-Rezeptoren auch in den Hörorganen, genau in der Hörschnecke sowie im Gleichgewichtsorgan vorkommen. Veränderungen im Vitamin D-Stoffwechsel könnten somit die Funktion der Systeme beeinflussen. Hinzukommt, dass das Sonnenvitamin unter anderem neuroinflammatorische Prozesse beeinflusst. Weil es sich bei Tinnitus nicht nur um ein Problem des Ohrs, sondern eine zentrale Verarbeitungsstörung im Gehirn handelt, kann die Vitamin D-Versorgung zusätzlichen Einfluss darauf nehmen, so die Hypothese. Diese muss den Autor:innen zurfolge jedoch noch durch weitere Studien belegt werden.
Unklar ist außerdem, ob ein Vitamin D-Mangel Tinnitus begünstigt oder ob Tinnitus-bedingte Lebensumstände wiederum den Vitamin D-Spiegel senken oder ob noch andere Einflüsse eine Rolle spielen. Dennoch könnte „eine adäquate Vitamin-D3-Supplementierung zu neuen Therapieansätzen für die Behandlung von Tinnitus führen“, so das Fazit.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Blutdrucksenker: Absetzen oder nicht vor OP?
Blutdrucksenker gehören zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln, denn Hypertonie gehört längst zu den Volkskrankheiten. Doch unter der Therapie gilt …
Rezeptur 1×1: Dexamethason-Creme
Ob Wirkstoffe, Zubereitung oder Wechselwirkungen – nicht nur bei der Beratung im HV, sondern auch in der Rezeptur ist dein …
Rückruf: Luftkontakt und Verfärbung bei Amoxi-Clavulan
Das Antibiotikum Amoxi-Clavulan Aurobindo muss in einer Packungsgröße und Charge zurück. Der Grund sind Verfärbungen infolge eines Luftkontakts der Filmtabletten. Amoxi-Clavulan …














