Mit Shingrix das Altern aufhalten?
Seit mehr als sechs Jahren gehört die Gürtelrose-Impfung zu den Kassenleistungen. Dennoch sind viele impfberechtigte Personen, vor allem Ältere, noch ohne Immunisierung. Dabei kann Shingrix (GSK) nicht nur vor Gürtelrose schützen, sondern auch das Altern verzögern, so eine Studie.
Mehrere hunderttausend Neuerkrankungen an Gürtelrose gibt es hierzulande jedes Jahr. Windpocken gelten dabei als Erstinfektion, nach der Herpesviren vom Typ Varizella zoster in den Ganglien verbleiben und jederzeit reaktiviert werden können, beispielsweise durch Stress, UV-Strahlung, ein schwaches Immunsystem oder höheres Alter. Eine Gürtelrose verursacht starke Schmerzen und einen Ausschlag aus Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Zum Schutz kommt eine Impfung mit dem Totimpfstoff Shingrix ins Spiel. Doch die Vakzine bietet noch weitere positive Effekte. So soll Shingrix dazu beitragen, das Altern aufzuhalten, zeigen aktuelle Ergebnisse.
Übrigens: Ende vergangenen Jahres hat die Ständige Impfkommission die Empfehlung zur Gürtelrose-Impfung erweitert, und zwar auf alle Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko für eine Herpes zoster (HZ)-Erkrankung.
Shingrix verzögert das Altern bei Geimpften
Wie ein Team der University of Southern California (USA) herausgefunden hat, könnte die Gürtelrose-Impfung den Alterungsprozess bei älteren Menschen bremsen. Dafür wurden rund 3.800 Personen im Alter von rund 70 Jahren in einer Langzeitstudie untersucht. Ein Teil von ihnen war gegen Herpes zoster geimpft, der andere nicht. Dabei wurde deutlich: Geimpfte Personen alterten biologisch deutlich langsamer als ungeimpfte. Außerdem machte sich der über mehrere Jahre bestehende Schutz vor einer Erkrankung durch Shingrix auch beim Altern bemerkbar.
Das biologische Alter beschreibt die körperliche Verfassung von Patient:innen, beispielsweise wie es um Organe bestellt ist. Dieses wurde anhand der Funktion des Immunsystems, der Entzündungswerte im Blut, neurodegenerativer Marker und weiterer genetischer Faktoren untersucht. Unter einer Impfung wiesen die Teilnehmenden niedrigere Entzündungswerte, eine verlangsamte Genaktivität in alterungsrelevanten Bereichen und insgesamt bessere biologische Werte auf.
Weniger Entzündungsreaktionen
Weil vor allem das Immunsystem von Patient:innen gestärkt wird, kann Shingrix folglich das Altern verlangsamen, so das Fazit. Der Grund: Die Immunisierung verhindere nicht nur eine Reaktivierung des Virus‘, sondern verändere auch langfristig die Immunantwort des Körpers, sodass weniger chronische Entzündungsprozesse ablaufen, die zu verschiedenen altersbedingten Erkrankungen führen können – auch als „Inflammaging“ bezeichnet.
„Obwohl die genauen biologischen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, macht das Potenzial der Impfung, Entzündungen zu reduzieren, sie zu einer vielversprechenden Ergänzung umfassenderer Strategien zur Förderung der Widerstandsfähigkeit und zur Verlangsamung altersbedingter Abbauprozesse“, fassen die Forschenden zusammen. Nun müssten die Ergebnisse noch durch weitere Forschung bestätigt werden.
Achtung: Vor Lippenherpes schützt die Gürtelrose-Impfung nicht.
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