DoxyPEP nicht als „Allheilmittel“ nutzen
Schon seit Längerem wird über die Einnahme von Doxycyclin zur Vorbeugung von sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) diskutiert. Doch die sogenannte DoxyPEP kann auch Risiken bergen, warnen Expert:innen auf europäischer Ebene aktuell. Stichwort Resistenzen.
Doxycyclin gehört zu den Tetracyclinen und blockiert die Proteinsynthese von Bakterien, wodurch ihre Vermehrung gehemmt wird. Der Wirkstoff kommt zur Behandlung von bakteriellen Infektionen wie Harn- und Atemwegsinfekten, aber auch bei Erregern wie Chlamydien zum Einsatz. Außerdem soll Doxycyclin nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr als eine Art „Pille danach“ vor STI schützen.
Doch die DoxyPEP sollte nicht als „Allheilmittel“ genutzt werden. Denn es gibt keine allgemeine Empfehlung für jede/n, mahnt aktuell das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).
Übrigens: Die Einnahme der DoxyPEP erfolgt in Form einer Einzeldosis von 200 mg und sollte in der Regel innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr stattfinden.
DoxyPEP erhöht Risiko für Resistenzen
Genau haben die Expert:innen des ECDC aktuelle Empfehlungen zur Anwendung von Doxycyclin zur Postexpositionsprophylaxe vor STIs veröffentlicht. Darin wird einerseits die steigende Ausbreitung von STI – allem voran Gonorrhö und Syphilis – und das Potenzial der DoxyPEP, diese einzudämmen, berücksichtigt. Andererseits haben die Expert:innen auch das Risiko im Blick, durch eine großflächige Anwendung womöglich Antibiotikaresistenzen zu fördern.
So kann die DoxyPEP ihnen zufolge vor allem die Ausbreitung von Gonorrhö kaum verhindern. Demgegenüber steigt die Gefahr für die Entstehung weiterer Resistenzen. „Es gibt Hinweise darauf, dass eine weitverbreitete Anwendung nicht nur bei Erregern sexuell übertragbarer Infektionen, sondern auch bei anderen Bakterien wie Staphylococcus aureus und kommensalen Organismen innerhalb des menschlichen Mikrobioms zu vermehrten Resistenzen führen könnte.“ Dies stelle nicht nur für Anwender:innen der DoxyPEP, sondern auch für die Allgemeinheit ein Risiko dar, heißt es.
DoxyPEP zur Syphilis-Prävention
Daher empfiehlt das ECDC keine allgemeine Anwendung der DoxyPEP. Stattdessen sollte diese in Abwägung des individuellen Infektionsrisiko und nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Der individuelle Bedarf sollte zudem regelmäßig überprüft und Nutzer:innen über Nutzen und potenzielle Risiken aufgeklärt werden. Außerdem sollte der Fokus bei der Nutzung auf der Vorbeugung von Syphilis liegen und die DoxyPEP nicht als Einzelmaßnahme betrachtet, sondern in eine umfassende Strategie für sexuelle Gesundheit integriert werden – zusammen mit regelmäßigen Tests, Impfungen und Co.
„Eine zuverlässige Überwachung ist unerlässlich, um die Auswirkungen der Doxycyclin-Postexpositionsprophylaxe (PEP) auf die Inzidenz sexuell übertragbarer Infektionen, den Antibiotikaverbrauch und die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu beobachten“, so das Fazit.
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