Valproinsäure als Impfstoff-Booster
Valproinsäure kommt zur Anfallsbehandlung bei Patient:innen mit Epilepsie zum Einsatz. Doch nun haben Forschende ein weiteres Einsatzgebiet für das Antiepileptikum gefunden: Demnach kann Valproinsäure als Impfstoff-Booster dienen und die Wirkung von Vakzinen verstärken.
Valproinsäure und das Salz Valproat aus der Gruppe der Antiepileptika werden bei generalisierten Anfällen sowie fokalen und sekundär generalisierten Anfällen und zur Kombinationsbehandlung bei anderen Anfallsformen, wenn diese auf die übliche antiepileptische Behandlung nicht ansprechen, eingesetzt. Die Wirkung geht auf eine Blockade spannungsabhängiger Natrium- und Calciumkanäle zurück. Valproinsäure hemmt außerdem die Gamma-Aminobuttersäure (GABA)-Transaminase, wodurch die GABA-Konzentration steigt.
Wie ein Team der Universität Cambridge (England) herausgefunden hat, kann Valproinsäure als Zusatz zu Impfungen für eine Wirkverstärkung sorgen.
Impfstoff-Booster: Valproinsäure kann Wirkung verstärken
Dabei genügen offenbar schon geringe Dosen für eine bis zu zehnfach verstärkte Wirkung, wie die Forschenden betonen. Den Effekt führen sie auf eine Umwandlung von normalen T-Zellen im Immunsystem zu T-Gedächtniszellen zurück. Genau konnte Valproinsäure in Zellkulturen das Gedächtnisprogramm von T-Zellen anregen.
Der verstärkende Effekt wurde zum einen im Tiermodell bestätigt. Demnach konnte Valproinsäure als Impfstoff-Booster fungieren, wenn Mäuse gegen Grippe und/oder Covid-19 geimpft wurden. Dabei verstärkte sich die Immunantwort der Tiere unter dem Wirkstoff im Vergleich zu Tieren, die diesen nicht erhielten.
Zum anderen zeigte auch eine kleine Untersuchung bei Menschen den positiven Effekt. So wurden 74 Personen entweder sieben Tage lang mit 100 mg Natriumvalproat/Tag, alle zwei Tage mit 100 mg Natriumvalproat oder Placebo behandelt, bevor sie im Anschluss gegen Influenza immunisiert wurden. Die gewählte Valproinsäure-Dosierung entsprach dabei den Forschenden zufolge lediglich 10 beziehungsweise 5 Prozent der üblichen Dosierung.
Nach der Impfung zeigte sich, dass unter dem Antiepileptikum die Zahl der Influenza-spezifischen Antikörper und der T-Zell-Antworten zum Teil um ein Vielfaches höher ausfiel. Hinzukam, dass auch generell eine breitere Antikörperantwort zu beobachten war, was wiederum auf einen höheren Schutz vor anderen Virusvarianten hindeutet.
Nebenwirkungen waren nicht zu beobachten und auch der mit dem Wirkstoff verbundene teratogene Effekt könnte durch die geringe Dosierung womöglich umgangen werden, so die Forschenden. Zudem könnte Valproinsäure als Impfstoff-Booster vor allem bei älteren Personen oder denjenigen mit einem schwächeren Immunsystem zum Einsatz kommen. „Natriumvalproat könnte den Impfschutz in besonders gefährdeten Gruppen, wie beispielsweise älteren Erwachsenen, deutlich verbessern. Da es in viel niedrigeren Dosen und über einen sehr kurzen Zeitraum verabreicht würde, wären Nebenwirkungen weitaus weniger problematisch.“
Achtung: Sowohl für Frauen im gebärfähigen Alter als auch für Männer mit Kinderwunsch ist Vorsicht geboten und von einer Behandlung mit Valproat sollte besser abgesehen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Desogestrel und Co.: Neue Kontraindikation für Minipille
Minipillen mit Gestagenen wie Desogestrel oder Etonogestrel erfreuen sich zur Verhütung großer Beliebtheit, denn sie sind oftmals mit weniger Nebenwirkungen …
Erdnussallergie: Palforzia-Erhaltungstherapie bis Jahresende aus Frankreich
Der Vertrieb von Palforzia (Erdnussprotein, Stallergenes) wird zum 31. Juli eingestellt. Die Versorgung der Patient:innen mit der Erhaltungstherapie zu 300 …
Prednisolon, Digitoxin: SVA berät über Rezeptpflicht
Morgen tagt der Sachverständigenausschuss (SVA) für Verschreibungspflicht. Auf der Agenda stehen OTC-Switches von Prednisolon zur Anwendung auf der Haut, Hyoscyami …















