Semaglutid statt ASS zum Schutz vor Darmkrebs?
Acetylsalicylsäure (ASS) gehört zu den Mitteln der Wahl bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und kommt zudem als Dauerbehandlung zur Sekundärprophylaxe von Herzinfarkten und Thrombosen zum Einsatz. Und auch gegen Darmkrebs hat der Wirkstoff einen positiven Effekt. Nun zeigt sich: GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid sind gegen Darmkrebs effektiver als ASS.
Bereits seit einiger Zeit ist eine präventive Wirkung von ASS gegen Darmkrebs durch Studien belegt. Denn der Wirkstoff sorgt durch verschiedene Mechanismen für eine Verringerung beziehungsweise Hemmung des Tumorwachstums. Nun hat ein Forscherteam den Effekt des nicht-steroidalen Antirheumatikums auf das Krebsrisiko mit dem von GLP-1-Analoga verglichen. Das Ergebnis: Semaglutid und Co. erweisen sich bei der Vorbeugung von Darmkrebs sogar noch wirksamer als ASS.
Acetylsalicylsäure besitzt analgetische, antiphlogistische und antipyretische Eigenschaften. Die Wirkung geht auf eine irreversible Hemmung der Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 zurück, was wiederum zu einer Hemmung der Prostaglandinproduktion sowie der Thrombozytenaggregation führt – Entzündungsprozesse werden gehemmt und die Schmerzwahrnehmung vermindert.
GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Co. binden an den GLP-1-Rezeptor. Die Folgen sind eine verminderte Glucagonausschüttung und eine damit verbundene verminderte Glukoseabgabe in der Leber sowie eine erhöhte Insulinsekretion aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Außerdem werden die Insulinsensitivität erhöht, die Magenentleerung verlangsamt und der Appetit verringert.
Schutz vor Darmkrebs: Semaglutid schlägt ASS
Bisher ist klar: GLP-1-Analoga reduzieren Körpergewicht und Körperfettmasse und damit entscheidende Risikofaktoren für Darmkrebs. Doch die Wirkstoffe können noch mehr. Denn sie hemmen spezielle Signalwege, die bei vielen Zellvorgängen eine Rolle spielen und unter anderem die Proliferation von Krebszellen in Zellkulturen fördern. Dies deutet auf eine antitumorale Wirkung hin. Dies hat ein Team der Universität von Texas (USA) anhand von Daten aus der weltweiten Datenbank TriNetX überprüft. Die Ergebnisse wurden beim Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.
In der Analyse wurden die Daten von insgesamt rund 280.000 Patient:innen gegenübergestellt, die ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs hatten und entweder mit ASS oder einem GLP-1-Analogon behandelt wurden. Während einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren kam es zu 430 Darmkrebserkrankungen – 183 unter GLP-1-Rezeptoragonisten und 247 unter ASS. Somit erwiesen sich Semaglutid und Co. beim Schutz vor Darmkrebs effektiver als ASS. „GLP-1-Rezeptoragonisten könnten dazu beitragen, das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, zu verringern“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Kongress. Außerdem kam es seltener zu akuten Nierenschäden, Magengeschwüren und Magen-Darm-Blutungen, wohingegen häufiger gastrointestinalen Beschwerden wie Durchfall und Bauchschmerzen auftraten.
Für Personen mit einem besonderen Risiko für Darmkrebs, beispielsweise aufgrund von Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas oder genetischen Faktoren, war die Gefahr unter Inkretinmimetika sogar noch geringer. Besonders effektiv waren dabei die Wirkstoffe Semaglutid, Liraglutid und Dulaglutid, während unter Tirzepatod kaum signifikante Unterschiede gegenüber ASS zu verzeichnen waren.
Nun sollen die Ergebnisse in einer klinischen, randomisierten und placebokontrollierten Studie bestätigt werden.
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