Saures: Zahnschmelz braucht Wochen
Sauer macht lustig – aber mit dem Zähneputzen sollte man nach dem Naschen mindestens 30 bis 60 Minuten warten, um keinen Zahnschmelz abzutragen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen gegen diese Faustregel.
Für den menschlichen Zahnschmelz bringt das Warten keinen messbaren Vorteil, wie eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, über die der Hersteller Dr. Liebe berichtet. Oft wird in vielen Laboruntersuchungen nämlich aus praktischen Gründen Rinderschmelz verwendet, und hier senkt verzögertes Putzen den Substanzverlust deutlich. Am klinisch relevanten menschlichen Schmelz dagegen nicht. Es handelt sich also um ein Artefakt aus dem Labor.
Auch eine Untersuchung an mehr als 3000 jungen Erwachsenen fand keinen Zusammenhang zwischen Wartezeit und erosivem Zahnverschleiß.
Die schnelle Wiedererhärtung, die eine Wartezeit sinnvoll erscheinen ließ, wurde also nur an Rinderschmelz und mit künstlichem Speichel beobachtet – ohne die Proteine des echten Speichels. Im natürlichen Speichel bremsen genau diese Proteine (etwa Statherin) die Remineralisation; die tatsächliche Wiedererhärtung erodierten Schmelzes zieht sich über Tage bis Wochen. Eine Wartezeit von einer Stunde ist klinisch ohne relevante Bedeutung. Das Putzen zu verschieben ist damit keine Schutzmaßnahme, sondern trügerische Sicherheit.
Tatsächlich kommt es auf die Ionensättigung an, wie Zahnarzt Dr. Frank Marahrens aus Leinfelden-Echterdingen erklärt: „Entscheidend ist heute weniger der Zeitpunkt des Zähneputzens als vielmehr die verwendete Zahncreme. Nach einer säurehaltigen Mahlzeit spricht aus heutiger Sicht nichts dagegen, die Zähne direkt zu putzen. Entscheidend ist vielmehr, dass ausreichend Kalzium- oder auch Fluorid-Ionen zur Verfügung stehen, um die Remineralisation zu unterstützen.“
Wenn für die Remineralisation heute vor allem die Verfügbarkeit von Kalzium- und Fluorid-Ionen entscheidend ist, rücken entsprechende Rezepturen in den Fokus der Prophylaxe. Auf diesem Prinzip basieren auch die medizinischen Zahncremes von Dr. Liebe mit niedrigen RDA-Werten (Relative Dentin Abrasion) zwischen 28 und 31, die laut Hersteller eine besonders schonende und zugleich effektive Reinigung ermöglichen.
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