PMS als Herzrisiko?
Bei etwa jeder vierten Frau ist die Lebensqualität nicht nur während der Menstruation eingeschränkt, sondern schon zuvor. Stichwort prämenstruelles Syndrom (PMS). Das hat viele „Gesichter“ und kann sich in rund 150 verschiedenen Symptomen äußern. Außerdem kann PMS zum Herzrisiko werden, zeigen aktuelle Daten.
Schmerzen, Krämpfe und Unwohlsein kennen die meisten Frauen im Zusammenhang mit der Periode nur zu gut. Doch viele Menstruierende sind schon deutlich vorher in ihrem Wohlbefinden eingeschränkt. Denn PMS beginnt bereits rund 14 Tage vor Einsetzen der Monatsblutung. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Angenommen wird ein Ungleichgewicht von Östrogen und Progesteron als Auslöser. Zu den häufigsten Beschwerden gehören dabei Gereiztheit, Völlegefühl, Kopfschmerzen und geschwollene Brüste.
Doch neben kurzfristig auftretenden Beschwerden drohen auch Langzeitfolgen. So kann PMS zum Herzrisiko werden und die Gefahr für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen, wie Forschende nun herausgefunden haben.
Übrigens: Werden die entsprechenden Symptome auch psychisch zur Belastung, ist von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) die Rede.
Mehr kardiovaskuläre Erkrankungen: PMS als Herzrisiko
In einer Kohortenstudie haben Forschende vom Karolinska Institut Stockholm (Schweden) untersucht, ob und wenn ja welcher Zusammenhang zwischen PMS und dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen besteht. Dafür wurden in einer ersten Untersuchung die Daten von knapp 100.000 Frauen mit PMS mit denen von rund 941.000 Frauen ohne PMS verglichen.
Dabei zeigte sich: Patientinnen, die an PMS litten, hatten ein höheres Herzrisiko. Genau entwickelten sie im Schnitt 10 Prozent häufiger kardiovaskuläre Erkrankungen als Frauen ohne das Syndrom. Am deutlichsten fiel der Unterschied in puncto Herzrhythmusstörungen aus. PMS-Betroffene hatten hier ein um 31 Prozent höheres Risiko, bei zerebrovaskulären Erkrankungen waren es 11 Prozent, bei Hypertonie 6 Prozent.
In einer zweiten Analyse erfolgte dann ein Geschwister-Vergleich von 36.000 Frauen mit PMS und 45.000 Frauen ohne PMS. Das Ergebnis: Die Unterschiede waren mitunter noch gravierender. Am größten war bei Patientinnen mit PMS die Gefahr für ischämische Schlaganfälle, die bis zu 27 Prozent häufiger auftraten als bei ihren Geschwistern ohne PMS. Generell war das Risiko bei Frauen besonders ausgeprägt, die die PMS-Diagnose vor dem 25. Lebensjahr bekamen.
Die Ursachen sind den Forschenden zufolge noch nicht klar, möglich seien jedoch eine Fehlregulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), ein höheres systemisches Entzündungsniveau sowie metabolische Veränderungen. Nun sollen weitere Studien erfolgen, um die Zusammenhänge genauer zu beleuchten.
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