Pharmystery: Äther und Lachgas – die Geschichte der Anästhesie
Während Lachgas heutzutage vor allem als Partydroge missbraucht wird, war der ursprüngliche Zweck eigentlich ein anderer. Denn ebenso wie Äther fand Lachgas lange Zeit für Narkosen Anwendung.
Bereits im 19. Jahrhundert wurden Äther und Lachgas vor allem als Rauschmittel – genau als Halluzinogene – genutzt. So wurden unter anderem „Lachgas-Partys“ und „Äther-Feste“ gefeiert, bei denen zur Unterhaltung Lachgas oder Schwefeläther eingeatmet wurde. Doch die Wirkung, die beide Substanzen auf die Anwender:innen erzeugten, ließ Mediziner:innen an weitere Einsatzmöglichkeiten denken. Denn: Während die Berauschten zwar Gleichgewichtsstörungen hatten und oftmals stürzten, schienen sie dabei keine Schmerzen zu spüren.
So entstand die Idee, Äther und Lachgas während Operationen zu nutzen, um die Schmerzempfindung zu hemmen. Denn zuvor fanden Eingriffe meist ohne Betäubung und somit unter starken Schmerzen statt, auch wenn Alkohol und Opium Linderung verschaffen sollten. Nach verschiedenen Expertimenten und Selbstversuchen mit Lachgas und Äther als Betäubungsmittel fanden Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten offiziellen Operationen mit den Substanzen als Betäubung statt.
Aufgrund mehrerer Fehlschläge – wahrscheinlich aufgrund zu geringer Dosierungen – entwickelte sich vor allem Äther zum Anästhetikum der ersten Wahl. Denn während dieses zunächst nur in kleinen Dosen eingesetzt wurde, beispielsweise als Schlafmittel oder zur Linderung von Husten, blieb die schmerzstillende Wirkung zunächst unbekannt. Erst später wurde die Möglichkeit der Inhalation der Substanz als Gas entdeckt, was eine vorübergehende Bewusstlosigkeit auslöste und dadurch schmerzfreie medizinische Eingriffe ermöglichte.
Endgültig durchsetzen konnte sich die Betäubung mit Äther, Lachgas oder auch Chloroform, nachdem die damalige Königin von England, Victoria, ihr achtes Kind unter einer Narkose entbunden hatte. Bis heute finden teilweise Vollnarkosen mit Lachgas statt.
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