Neue PrEP: Lenacapavir schützt auch vor HIV-Infektion
Zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) einer HIV-Infektion ist bisher nur die Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil zugelassen. Diese war monatelang knapp und es wurde sogar ein Versorgungsmangel ausgerufen. Zur Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion kommt unter anderem der Wirkstoff Lenacapavir zum Einsatz. Und dieser könnte zur neuen PrEP werden.
Lenacapavir (Markenname Sunlenca, Gilead) gehört zu den Virostatika und hält seit 2022 in der EU die Zulassung zur Behandlung einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienz Virus 1 (HIV-1). Hierzulande ist bisher kein Medikament mit dem Wirkstoff auf dem Markt.
Lenacapavir bindet irreversibel an die Monomere des HIV-Kapsids – die kegelförmige Proteinhülle um das HIV-Erbgut und die viralen Enzyme – und verhindert so dessen Zusammenbau. Die Folge: Die Viruslast kann deutlich gesenkt werden. Eine Heilung der Infektion erfolgt jedoch nicht. Lenacapavir-haltige Arzneimittel werden zu Therapiebeginn zwei Wochen lang in Tablettenform verabreicht. Anschließend erfolgt eine zweimal jährliche Injektion. Die Behandlung erfolgt in Kombination mit anderen HIV-Medikamenten.
Nun haben Forschende herausgefunden, dass der Wirkstoff nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Prophylaxe einer HIV-Infektion eingesetzt werden kann. Lenacapavir könnte damit zur neuen PrEP werden.
Lenacapavir als neue PrEP?
Das ist das Ergebnis einer Phase-III-Studie des Herstellers, in der die Sicherheit und Wirksamkeit von Lenacapavir bei der HIV-Prophylaxe untersucht wurden. Von den insgesamt rund 5.300 teilnehmenden afrikanischen Frauen erhielten 2.000 halbjährlich eine Injektion mit dem Wirkstoff, während der Rest mit der Wirkstoffkombi Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil in verschiedenen Zusammensetzungen behandelt wurde. Keine der Frauen infizierte sich dabei unter Lenacapavir mit HIV, wohingegen unter den anderen beiden Behandlungen einige Fälle auftraten. Der Wirkstoff biete folglich einen 100-prozentigen Schutz, heißt es in einer Pressemitteilung. Lenacapavir habe damit sein Potenzial als wichtiges neues Mittel zur PrEP unter Beweis gestellt – allerdings vorerst nur bei Frauen.
Weitere Ergebnisse aus Studien an homo- und transsexuellen Männern sowie Transgender-Frauen werden in einigen Monaten erwartet. Anschließend soll bei Bestätigung der positiven Ergebnisse ein Antrag auf Zulassungserweiterung folgen. „Die zweimal jährliche Gabe von Lenacapavir als PrEP könnte, falls sie zugelassen wird, eine wichtige neue Möglichkeit zur HIV-Prävention darstellen, die in das Leben vieler Menschen passt, die weltweit von PrEP profitieren könnten.“ Denn durch die lediglich zweimal jährliche Verabreichung könnte der Wirkstoff Stigmatisierung entgegenwirken und die Therapietreue erhöhen.
Mehr aus dieser Kategorie
Ivermectin kommt in doppelter Stärke
Aristo hat Ivermectin-Tabletten zu 6 mg gelauncht. Die neue Stärke kann die Compliance erhöhen, denn die zu verabreichende Gesamtdosis kann …
EMA zu Valproat bei Vätern: Risiko für Kinder noch unklar
Valproat wird schon seit Längerem mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Eltern den Wirkstoff angewendet haben, …
Antidiabetika und Krebsrisiko: (K)ein Zusammenhang?
Wird bei Patient:innen Diabetes diagnostiziert, kommt oftmals die Frage nach der passenden Behandlung auf. Zur Verfügung stehen verschiedene Antidiabetika. Doch …










