Antidiabetika und Krebsrisiko: (K)ein Zusammenhang?
Wird bei Patient:innen Diabetes diagnostiziert, kommt oftmals die Frage nach der passenden Behandlung auf. Zur Verfügung stehen verschiedene Antidiabetika. Doch diese können mit Gefahren verbunden sein. Welcher Zusammenhang zwischen Antidiabetika und dem Krebsrisiko von Betroffenen besteht, erfährst du von uns.
Weltweit leidet rund jede/r zehnte Erwachsene an Diabetes. Ein Großteil der Fälle geht auf Diabetes mellitus Typ 2 zurück. Dabei kommt es zu einer Insulinresistenz, sodass die Zellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Dies sorgt für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels, weil Glukose aus der Nahrung nur noch eingeschränkt vom Blut in die Zellen gelangt. Hinzukommt eine „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen, die durch eine langfristige Überproduktion von Insulin entsteht.
Um gegenzusteuern, kommen neben einer Lebensstiländerung verschiedene Wirkstoffgruppen zur Blutzuckersenkung – Antidiabetika – ins Spiel, darunter Insulin, Metformin, SLGT-2-Hemmer, GLP-1-Analoga, Sulfonylharnstoffe und Co. Doch immer wieder wird über mögliche, damit verbundene Gefahren diskutiert. Allem voran stehen Diabetes-Medikamente im Verdacht, karzinogen zu wirken. Doch besteht wirklich ein Zusammenhang zwischen Antidiabetika und einem erhöhten Krebsrisiko?
Antidiabetika: Schützender statt karzinogener Effekt
Um diese Frage zu beantworten, wurden zwei Metaanlysen auf Basis randomisierter kontrollierter Studien sowie Real-World-Daten durchgeführt. Die erste Untersuchung schloss die Daten aus 87 Studien mit insgesamt mehr als 216.000 Patient:innen ein. Überprüft wurden sieben Klassen von Antidiabetika, die entweder miteinander oder mit einem Placebo verglichen wurden.
Dabei zeigte sich, dass alle Antidiabetika das Krebsrisiko im Vergleich zu Placebo senken konnten, am deutlichsten war der Effekt unter Dipeptidylpeptidase-4-Hemmern. Mehrere Wirkstoffklassen hatten zudem eine breite protektive Wirkung auf spezifische Tumorarten, beispielsweise Insulin auf Blasenkrebs, SGLT2-Inhibitoren auf ein Bronchialkarzinom oder Inkretinmimetika unter anderem auf Prostata-, Gebärmutter-, Leber- und Nierenkrebs.
„Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass Antidiabetika das allgemeine Krebsrisiko im Vergleich zu Placebo nicht erhöhten. Im Gegensatz dazu zeigten einige Antidiabetika einen deutlicheren Vorteil bei der Reduktion des Krebsrisikos“, so das Fazit.
Antidiabetika erhöhen Krebsrisiko nicht
Auch in der zweiten Analyse bestätigte sich der schützende Effekt einiger Antidiabetika im Hinblick auf das Krebsrisiko. Dafür wurden die Daten aus 22 Beobachtungsstudien berücksichtigt, in denen vor allem neuartige Wirkstoffe wie SGLT2-Inhibitoren, DPP-4-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten im Fokus standen und miteinander oder mit anderen Antidiabetika verglichen wurden.
Dabei wurden Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen festgestellt. SGLT2-Hemmer konnten das Krebsrisiko von allen Antidiabetika am deutlichsten senken und schützten vor allem vor Magen-Darm-, Urogenital- und Brustkrebs. Auch Metformin und DPP-4-Hemmern zeigten einen positiven Einfluss auf das Krebsrisiko, unter Sulfonylharnstoffen fiel dieser am geringsten aus.
Ein vermeintlich karzinogener Effekt konnte dagegen in beiden Studien für keine der Wirkstoffgruppen bestätigt werden. Die Ergebnisse könnten womöglich eine Orientierung für Mediziner:innen sein, die Diabetes-Patient:innen mit erhöhtem Krebsrisiko mit geeigneten Antidiabetika behandeln wollen. Dafür brauche es jedoch weitere Studien.
Übrigens: Antidiabetika sollten nicht mit Glucocorticoiden kombiniert werden. Denn es droht eine Wirkverminderung.
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