NEM: Am liebsten Magnesium und Vitamin D – aus der Drogerie
Die Auswahl an Präparaten zur Nahrungsergänzung ist groß. Und auch bei den Darreichungsformen haben Patient:innen die Qual der Wahl. Das Problem: In Sachen Aufklärung über Risiken und Co. herrscht Nachholbedarf. Trotzdem greifen Verbraucher:innen am liebsten zu Präparaten aus der Drogerie – allem voran Magnesium und Vitamin D.
Nahrungsergänzungsmittel sind aus der Apotheke nicht mehr wegzudenken, denn die Nachfrage boomt und die Präparate sind längst fester Bestandteil der täglichen Routine vieler Menschen. Mehr als drei von vier Personen nehmen hierzulande regelmäßig NEM ein, zeigen Zahlen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Doch was bringt Verbraucher:innen dazu, überhaupt Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und welche Mikronährstoffe dominieren dabei? Auch diese Fragen klären die Expert:innen mithilfe ihrer Bevölkerungsbefragung zu Nahrungsergänzungsmitteln, für die im September 2024 mehr als 1.000 Personen ab 16 Jahren online befragt wurden.
Supplementierung zur Krankheitsprävention
Das Ergebnis: 77 Prozent der Verbraucher:innen nehmen NEM ein. Mit Abstand am häufigsten supplementieren Personen dabei Magnesium (54 Prozent) und/oder Vitamin D (40 Prozent). Jeweils rund ein Drittel der Befragten setzt auf Präparate mit Vitamin B12 oder Vitamin C, jede/r Vierte nimmt Zink ein. Oftmals greifen Patient:innen auch auf Kombipräparate zurück (32 Prozent). Am beliebtesten sind die Darreichungsformen Tablette oder Kapsel.
Vor allem die Sorge vor einer Unterversorgung allein durch die Ernährung – subjektives Defizitgefühl – spielt bei der Einnahme eine Rolle. Und dies, obwohl der Großteil die eigene Gesundheit eigentlich als positiv einschätzt – im Schnitt 3,6 von fünf möglichen Punkten. Dennoch soll laut dem BfR vor allem das Gewissen durch die Supplementierung beruhigt werden. Hinzukommen der Wunsch nach Krankheitsprävention und einer Stärkung des Immunsystems.
NEM am liebsten aus der Drogerie
Daher wundert es nicht, dass der gesundheitliche Nutzen entsprechender Präparate als sehr hoch eingestuft wird. Das Problem: Mögliche Risiken – beispielsweise im Hinblick auf eine Überdosierung und/oder Wechselwirkungen mit Arzneimitteln – werden in der Regel ausgeblendet. Mehr noch. Selbst die genauen Inhaltsstoffe entsprechender Präparate sind nicht jedem/jeder bekannt. „Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der Nutzer Produkte einnimmt, ohne sich über die exakte Zusammensetzung und Dosierung im Klaren zu sein“, warnt das BfR.
Im Hinblick auf Informationen und Beratung zu NEM vertrauen Patient:innen vor allem auf das Fachpersonal in Arztpraxen und Apotheken, obwohl der Kauf eher in Drogerien (54 Prozent) als in Apotheken (31 Prozent) erfolgt. Auch Familie und Freunde spielen eine Rolle. Online-Werbung über Influencer:innen wird nur wenig Glauben geschenkt und eher mit Skepsis begegnet.
Handlungsempfehlungen des BfR
Weil die Ergebnisse der Befragung Wissenslücken sowie eine Diskrepanz zwischen der Risikowahrnehmung und dem tatsächlichen Verhalten erkennen lassen, leitet das BfR verschiedene Handlungsempfehlungen ab:
- Verbraucher:innen sollten im Hinblick auf Wechselwirkungen und die korrekte Dosierung sensibilisiert werden, und zwar möglichst mit konkreten Beispielen für Gesundheitsrisiken bei Überdosierung und für Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und anderen NEM. Außerdem sollte auf eine Einnahme nur unter ärztlicher Begleitung hingewiesen werden.
- Patient:innen sollten verstärkt über den Lebensmittelstatus von NEM aufgeklärt und der Mythos NEM seien frei verkäufliche Arzneimittel, enttarnt werden. „Nahrungsergänzungsmittel dienen nicht der Heilung, sondern nur der Nahrungsergänzung“, lautet die Botschaft.
- Wer im Internet nach Informationen rund um NEM sucht, wird zwar schnell fündig, hat aber Schwierigkeiten, diese korrekt einzuordnen. Daher sollten vertrauenswürdige Institutionen ihre Sichtbarkeit entsprechend erhöhen.
- Die ärztliche/apothekerliche Beratung sollte stärker in die präventive Kommunikation eingebunden werden, da sie beim Kauf – meist in der Drogerie – oft keine Berücksichtigung findet.
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