Morbus Addison: Lebensgefahr durch zu wenig Cortisol
Nierenerkrankungen wie eine Nebennierenrinden-Insuffizienz – auch Morbus Addison – sind zwar selten, dafür umso gefährlicher. Denn weil die Symptome meist unspezifisch ausfallen, bleibt die Erkrankung häufig unbemerkt. Doch unbehandelt droht durch den Mangel an Cortisol Lebensgefahr, schlagen Expert:innen Alarm – besonders bei Belastung.
Darauf weisen die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer gemeinsamen Mitteilung hin und warnen vor den Folgen. „Wer dauerhaft erschöpft ist, ungewollt Gewicht verliert, niedrigen Blutdruck hat oder unter Schwindel, Übelkeit und Bauchschmerzen leidet, sollte auch an Morbus Addison denken“, heißt es von den Expert:innen. Denn bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann dies lebensgefährlich werden. „Ohne passende Behandlung droht in Belastungssituationen eine Addison-Krise – ein akuter Hormonmangelzustand, bei dem der Körper nicht mehr ausreichend mit Cortisol versorgt wird.“ Die Folgen sind eine schwere Hypotonie, Kreislaufversagen oder das Eintreten von weiteren Notfallsituationen.
Indikationscheck
Bei Morbus Addison greift das Immunsystem die Nebennierenrinde an. Die Nebennieren sind unter anderem an der körpereigenen Hormonproduktion beteiligt, regulieren den Blutdruck, steuern den Stoffwechsel und helfen dem Körper, mit Belastungen umzugehen. Liegt eine Morbus Addison-Erkrankung vor, bildet der Köper fälschlicherweise Antikörper gegen eigenes Gewebe und die Nebennieren können nicht mehr ausreichend Hormone herstellen. Die Folge: Ein Mangel an wichtigen Hormonen, darunter mehrere Steroidhormone wie Aldosteron, Cortisol und das Androgen DHEA.
Das sind die Symptome
Bemerkbar macht sich die Autoimmunerkrankung in der Regel durch Symptome wie niedrigen Blutdruck, Schwindel, Schwäche, Müdigkeit, Unterzuckerungen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Und genau hier liegt den Expert:innen zufolge das Problem: „Die Beschwerden passen auch zu vielen anderen Erkrankungen.“ Ob wirklich eine Nebennierenrinden-Insuffizienz vorliegt, kann anhand des Cortisol-Spiegels ermittelt werden. Dieser sollte einerseits direkt morgens früh gemessen werden, aber im Anschluss sollte außerdem mithilfe eines Stimulationstestes geprüft werden, ob die Nebennieren noch ausreichend Cortisol bilden.
Achtung: Die Nebennierenrinden-Insuffizienz sollte nicht mit einer Nebennierenrinde-Schwächung verwechselt werden, bei der trotzdem noch normale Hormonspiegel vorliegen.
Morbus Addison: Bei Belastung Therapie-Dosis erhöhen
Behandelt wird eine Morbus Addison-Erkrankung in der Regel mit Hydrocortison – auch Cortisol genannt. Das Glucocorticoid der Wirkstärkeklasse I besitzt antiinflammatorische, immunsuppressive sowie antiallergische Eigenschaften. Die Wirkung geht auf eine Bindung an Glucocorticoid-Rezeptoren zurück.
Auch hierbei weisen die Expert:innen der DDG und DGE jedoch auf eine ausreichende Aufklärung hin. Demnach sollten Patient:innen ihre Therapie in Belastungssituationen bedarfsgerecht anpassen und beispielsweise bei Stress oder Infekten die Dosis um das Zwei- bis Fünf-fache erhöhen. „Patient:innen brauchen einen Notfallausweis und eine Notfallmedikation“, so der Appell. Kommt es zum Erbrechen, sollte zudem eine intravenöse Gabe erfolgen.
Achtung: Unter der Hydrocortison-Therapie ist Vorsicht geboten, denn mitunter kann diese die Beschwerden anderer Erkrankungen verschleiern.
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