Mehr als 1.500 Lieferengpassmeldungen – Antipsychotika sind Spitzenreiter
Zahlreiche Lieferengpässe halten die Apothekenteams seit Jahren in Atem. Zum Jahresstart waren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) fast 550 Engpässe gelistet. 2025 kamen insgesamt mehr als 1.500 Lieferengpassmeldungen zusammen. Vor allem die Versorgung mit Antipsychotika und Antidepressiva ist dabei in Gefahr, denn beide fallen oft und lange aus.
Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). „Lieferengpässe bei Arzneimitteln führen weiterhin zu empfindlichen Einschränkungen bei der Patientenversorgung“, titeln die Expert:innen daher. Das Zi hat unter Berücksichtigung der Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für 2024 und 2025 sowie im Abgleich mit den Meldungen beim BfArM den Schweregrad und die Dauer von Lieferengpässen im Jahr 2025 analysiert. Das Ergebnis: Zu den mehr als 1.000 – genau 1.041 Engpässen – wurden 2025 mehr als 1.500 Lieferengpassmeldungen (1.514) erfasst.
Während Lokalanästhetika und Antidementiva vor allem im Hinblick auf die Dauer die Liste anführen, fallen die Engpässe bei Antipsychotika und Antidepressiva sowohl besonders häufig als auch vergleichsweise lang aus.
Lieferengpassmeldungen: Antipsychotika fallen oft und lange aus
Zu Antipsychotika gab es im letzten Jahr demnach 173 Meldungen zu 151 verschiedenen PZN. Die durchschnittliche Engpassdauer betrug dabei 230 Tage – fast acht Monate. Bei Antidepressiva wurde 130-Mal ein Engpass bei 126 PZN gemeldet und die entsprechenden Präparate fielen im Schnitt 107 Tage aus. Potenziell davon betroffen waren rund eine Million Patient:innen, deren Therapie durch die Engpässe gefährdet wurde. Denn ein Wechsel auf andere Wirkstoffe ist nicht immer möglich.
Weitere vier Millionen Erkrankte könnten zudem von den gemeldeten Lieferschwierigkeiten und/oder Ausfällen bei Lipidsenkern und Antibiotika betroffen gewesen sein. Vor allem bei letzteren schlagen die Expert:innen des Zi im Hinblick auf die Versorgung Alarm: „Fehlen mehrere antibiotische Wirkstoffe oder Darreichungsformen gleichzeitig, können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr primär leitliniengerecht auswählen, sondern müssen ihre Therapie an der aktuellen Verfügbarkeit ausrichten. Das kann die Versorgungsqualität reduzieren und Resistenzen begünstigen“, heißt es vom Zi-Vorstandsvorsitzenden Dr. Dominik von Stillfried.
Keine Besserung durch ALBVVG
Problematisch ist die Versorgungssituation auch bei Salbutamol-haltigen Arzneimitteln sowie Antiepileptika, bei denen jeweils ein großer Anteil der generell zur Verfügung stehenden Präparate von Engpässen betroffen ist – knapp 10 Prozent bei Salbutamol, rund 7 Prozent bei Antiepileptika. Auch hier sind die Austauschmöglichkeiten laut Zi oft eingeschränkt.
Das seit 2023 geltende Lieferengpassgesetz (ALBVVG) habe an der Engpasssituation kaum etwas verändert. „Außer höheren Kosten hat das Gesetz nach Auskunft der gesetzlichen Krankenkassen aber keine spürbaren Veränderungen gebracht, schon gar keine strukturellen Versorgungsverbesserungen.“ Die Expert:innen bringen alternativ die Möglichkeit eines Frühwarnsystems ins Spiel.
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