Low-Dose Naltrexon: Apotheken-Rezeptur gegen Long-Covid
Der Opioid-Antagonist Naltrexon wird niedrigdosiert Off-Label unter anderem bei Long- und Post-Covid eingesetzt. Ein entsprechendes Fertigarzneimittel gibt es nicht und Apotheken sind für die Herstellung von Low-Dose Naltrexon-Rezepturen als Kapsel oder Lösung gefragt.
Naltrexon ist ein langwirksamer Opioidantagonist, der bei Alkohol- und Opioidabhängigkeit zum Einsatz kommt und selbst keine opioiden Eigenschaften besitzt und nicht abhängig macht. In Kombination mit Bupropion wird Naltrexon bei Adipositas angewendet. In geringeren Dosierungen von 0,5 mg bis 4,5 mg täglich kommt der Wirkstoff Off-Label unter anderem bei Fibromyalgie, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie Long- und Post-Covid zum Einsatz. Die verkürzte Wirkung der geringen Dosierung führt zu einer verbesserten Endorphinausschüttung, die sich positiv auf Schmerzen und das Immunsystem auswirken kann.
Naltrexon aus der Rezeptur
Für die Herstellung von Kapseln kann sowohl Naltrexon-Base als auch Naltrexon-Hydrochlorid verwendet werden. Als Füllstoff kommen mikrokristalline Cellulose (NRF S. 54) und Lactose-Monohydrat (99,5 Prozent Lactose-Monohydrat und 0,5 Prozent Aerosil) infrage. Hergestellt wird nach Volumetrischer- oder Ergänzungsmethode. Wird die Rezeptur erneut verordnet, kann laut Fagron gravimetrisch hergestellt werden.
SyrSpend als Grundlage
Flüssige Zubereitungen mit Naltrexonhydrochlorid können mit SyrSpendSF PH4 Flüssig (Kirscharoma), SyrSpend SF PH4 NEO oder SyrSpendSF PH4 Pulver hergestellt werden. Aufgrund des sehr bitteren Geschmacks des Wirkstoffes ist es ratsam, auf ein Aroma zu setzen.
Naltrexon 1 mg/ml Lösung: Glycerol und Wasser
Soll hingegen auf keine gebrauchsfertige Grundlage zurückgegriffen werden, können Glycerol und gereinigtes Wasser als Grundlage verwendet werden. Die Rezeptur besteht aus:
- Naltrexon 0,10 g
- Ascorbinsäure 0,50 g
- Natriumbenzoat 0,10 g
- Glycerol 85 Prozent 20,00 ml
- Gereinigtes Wasser ad 100,00 ml
Naltrexon, Ascorbinsäure und Natriumbenzoat werden in einer Glasfantaschale zu einem feinen Pulver verarbeitet. Anschließend wird mit Glycerol 85 Prozent angerieben und Wasser schrittweise bis zur Endmenge ergänzt. Die Haltbarkeit beträgt 90 Tage im Kühlschrank oder 60 Tage bei Raumtemperatur. Suspensionen, die mit SyrSpend SF PH4 hergestellt werden, sind auch bei Raumtemperatur bis zu drei Monate haltbar.
Alternativ können Naltrexonhydrochlorid oder Naltrexon-Tabletten verwendet werden. Wird das leicht wasserlösliche Naltrexonhydrochlorid verwendet, entsteht eine klare Lösung. Im ersten Schritt soll Natriumbenzoat in einem Großteil des Wassers gelöst werden, bevor die sauer reagierenden Rezepturbestandteile hinzugefügt werden.
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