Ladenhüter Grippeimpfstoff 2021/22: Apotheken müssen entschädigt werden
Die aktuelle Grippesaison neigt sich dem Ende und an Grippeimpfstoff 2021/22 mangelt es in den Apotheken nicht, wie eine aposcope-Befragung unter den Kolleg:innen und eine Blitzumfrage des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR) zeigen.
In der Regel dauert eine Grippesaison auf der nördlichen Halbkugel von Oktober bis Mitte Mai des Folgejahres. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird eine Impfung von Oktober bis Mitte Dezember empfohlen. Wer die Impfung in diesen Monaten versäumt hat, kann diese auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle nachholen, informiert das Robert-Koch-Institut. Impfstoff der laufenden Saison ist noch ausreichend vorhanden.
Wie eine aktuelle AVNR-Blitzumfrage zeigt, lagern in den Apotheken an Rhein und Ruhr noch 40.000 Grippeimpfstoffe der Saison 2021/22 im Wert von mindestens 500.000 Euro. Und die drohen zu verfallen, denn für die Grippesaison 2022/23 wird es eine neue Stammzusammensetzung geben.
„Es ist davon auszugehen, dass der Wert noch viel höher liegt, da in den Apotheken, die nicht an der Umfrage teilgenommen haben, sicher auch noch Impfstoffreste vorhanden sind. Der Verband geht davon aus, dass sich die Lage bundesweit genauso darstellt“, teilt der AVNR mit.
Den Apotheken droht ein finanzieller Verlust, denn die Kolleg:innen sind für die Bevorratung in Vorleistung getreten und drohen nun auf den Kosten sitzen zu bleiben.
„Apotheken müssen wie im Vorjahr finanziell entschädigt werden“, fordert der AVNR. „Die hohen Lagerreserven in den Apotheken zeigen, dass die Apotheken ihren öffentlichen Versorgungsauftrag sehr ernst nehmen und auf eigene Kosten ausreichend viele Impfstoffe eingekauft haben“, erklärt der AVNR-Vorsitzende Thomas Preis. „Wenn sie jetzt nicht mehr gebraucht werden, bleiben die Apotheken auf den Kosten sitzen. Das ist so nicht akzeptabel. Daher muss der Bund wie im Vorjahr die Apotheken entsprechend finanziell entschädigen.“
Die Situation sei auch deshalb sehr unbefriedigend, weil die Bundesregierung das Apothekenhonorar bei der Impfstoffversorgung extrem niedrig angesetzt hat. „Die Vorratslagerhaltung der Apotheken bei Grippeimpfstoffen darf nicht einseitig zu Lasten der Apotheken gehen. Das Risiko muss von den Krankenkassen, Politik und Impfstoffherstellern mitgetragen werden,“ fordert Preis.
Liegengebliebene Grippeimpfstoffe der Saison 2020/21 wurden vom Bund erstattet. Insgesamt standen 16 Millionen Euro für die Apotheken zur Verfügung. Der Betrag wurde mit nur rund sieben Millionen Euro aber nicht ausgeschöpft.
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