Kassenärzte gegen Abgabe ohne Rezept: „Medikamente sind keine Bonbons“
Die Gesundheitsministerin will die Rolle der Apotheken stärken – auch mit mehr Spielraum, Arzneimittel ohne Rezept an Patient:innen zu geben. Ärzt:innen schlagen Alarm.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stößt mit Plänen für eine Abgabe bestimmter Medikamente in Apotheken auch ohne ärztliches Rezept auf Protest. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte: „Medikamente sind keine Bonbons.“ Ein/e Ärzt:in würde diese Patient:innen gar nicht zu Gesicht bekommen. „Das kann Leib und Leben der Menschen gefährden.“
Medikamente sollten gezielt zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, die nur Ärztinnen und Ärzte diagnostizieren und therapieren könnten. Apothekerinnen und Apotheker seien dafür nicht ausgebildet, heißt es in einer Erklärung der KBV und der 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen.
Apotheken sollen mehr Leistungen anbieten können
Warken hatte am Dienstag Pläne für eine Reform vorgestellt. Sie zielt darauf, dass Apotheken künftig mehr Leistungen wie Impfungen und Vorsorge anbieten können, um so auch Arztpraxen zu entlasten.
Unter anderem sollen Apotheker auch bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne ärztliche Verordnung abgeben können – etwa an chronisch Kranke bei dringendem Bedarf und einer bekannten Langzeitanwendung. Auch bei unkomplizierten Erkrankungen wie einem einfachen Harnwegsinfekt solle dies möglich werden.
Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Thomas Preis, betonte: „Die Verordnung muss dem Arzt vorbehalten bleiben. Auch die Verschreibungspflicht darf nicht ausgehebelt werden.“
Er begrüßte zugleich die Ministeriumspläne, die Versorgungskompetenzen der Apotheken zu erweitern. „Ein Mückenstich oder ein wunder Po beim Kind müssen nicht zwangsläufig zu einem Besuch beim Kinderarzt führen.“ Die Beratung in der Apotheke helfe bei leichten Erkrankungen und könne so auch die Ärzteschaft entlasten.
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