Insulin: Nicht immer an derselben Stelle spritzen
Müssen sich Diabetiker:innen selbst regelmäßig Insulin spritzen, gilt es dabei verschiedene Aspekte zu beachten. Dazu gehört auch ein Wechsel der Einstichstelle, wie Mediziner:innen aktuell appellieren. Denn wird Insulin stets an derselben Stelle verabreicht, drohen Nebenwirkungen.
Insulin kommt inzwischen seit mehr als 100 Jahren im Rahmen der Diabetes-Behandlung zum Einsatz. Das Peptidhormon des Kohlenhydratstoffwechsels kann als einziges Hormon den Blutzuckerwert senken. Dabei stehen unterschiedliche Arten und Darreichungsformen von Insulin zur Verfügung, beispielsweise Insulinanaloga und Humaninsuline, Pumpen oder Spritzen. Erfolgt die Gabe per Injektion, gilt es, das Insulin nicht immer an derselben Stelle zu verabreichen, wie ein Fallbericht zeigt.
So kann es unter der Verabreichung von Insulin an immer derselben Stelle dazu kommen, dass sich eine Lipohypertrophie entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Zunahme des Unterhautfettgewebes – meist lokal begrenzt im Bereich des Unterbauches. Das Problem: Mitunter kann sich statt der bekannten und häufig auftretenden Fettansammlung eine Amyloidose entwickeln. Darauf macht ein Team der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) anhand eines Fallberichtes aufmerksam.
Insulin immer an derselben Stelle: gestörte Insulinwirkung
Eine 40-jährige Typ-1-Diabetikerin wurde mit einem Knoten im rechten Unterbauch und unspezifischen Symptomen wie Nachtschweiß sowie Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühlen in Gesicht und Extremitäten bei ihrem behandelnden Hausarzt vorstellig. Etwa einen Monat nach dem Auftreten wird die Patientin ins Krankenhaus zur weiteren Abklärung überwiesen. Dort wird ein tastbarer, fester, nicht-verschiebbarer und leicht druckempfindlicher Knoten mit einem Durchmesser von 5 x 3 cm festgestellt. Nach zahlreichen weiteren Untersuchungen wurde eine Amyloidose diagnostiziert. Ursache dafür war die regelmäßige Insulin-Gabe an derselben Stelle, sodass sich das Insulin in den entsprechenden Amyloidfibrillen abgelagert hat.
Neben der Ausbildung eines Knotens, der sich nicht mehr selbst zurückbildet und oft operativ entfernt werden muss, ist eine Amyloidose jedoch auch mit einer schlechteren Blutzuckereinstellungen und unvorhersehbaren Blutzuckerschwankungen verbunden, sodass es oftmals auch zu Hyperglykämie kommt. Denn die Insulinwirkung ist beeinträchtigt. „Insulinbedingte Amyloidablagerungen sind klinisch schwer von einer Lipohypertrophie zu unterscheiden, bilden sich aber nach Beendigung der Insulin-Injektion an der betroffenen Stelle nicht zurück und verringern die Insulinwirksamkeit bei fortgesetzter Injektion an den Läsionsstellen deutlich stärker“, heißt es im Fallbericht.
Daher sollten Patient:innen in der Beratung sowohl darauf hingewiesen werden, Insulin nicht immer an derselben Stelle zu verabreichen, als auch auf mögliche Symptome aufmerksam gemacht werden.
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