Abnehmspritzen: Haarausfall durch Tirzepatid und Co.?
Sogenannte Abnehmspritzen werden zwar für ihre positiven Effekte auf das Gewicht gefeiert, sind jedoch auch mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden. Ob auch Haarausfall zu den unerwünschten Wirkungen zählt, haben Forschende untersucht.
Der Verlust von 50 bis 100 Haaren pro Tag gilt in der Regel als normal. Fallen über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Haare aus, ist von Alopezie – krankhaftem Haarausfall – die Rede. Dabei gibt es unterschiedliche Formen von Haarausfall. Androgenetische Alopezie – erblich bedingter Haarausfall – gehört zu den häufigsten Formen – vor allem bei Männern. Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig. Neben Stress, hormonellen Schwankungen, Nährstoffmängel oder bestimmten Erkrankungen können auch Arzneimittel eine Rolle spielen. Ob beispielsweise Abnehmspritzen mit GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Co. zu Haarausfall führen, wurde nun genauer untersucht.
Übrigens: Die Bezeichnung Alopezie geht auf das altgriechische Wort alópex = Fuchs zurück, angeblich in Anlehnung an dessen fleckenförmigen Ausfall der Fellhaare, sodass kreisrunder Haarausfall auch als Fuchskrankheit bezeichnet wurde.
Haarausfall: Unter Abnehmspritzen bis zu dreimal häufiger
In einer Metanalyse hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Toronto insgesamt 24 Studien ausgewertet, darunter klinische Untersuchungen und Daten aus Pharmakovigilanz-Systemen. Dabei wurde überprüft, ob unter GLP-1-Rezeptoragonisten sowie GIP- und GLP-1-Rezeptoragonisten häufiger Haarausfall auftritt als bei Menschen, die nicht mit entsprechenden Wirkstoffen behandelt wurden.
Das Ergebnis: Unter einer Behandlung stieg die Zahl der Haarausfall-Betroffenen – vor allem unter Semaglutid und Tirzepatid. Meist trat dabei eine diffuse und meist vorübergehende Form der Alopezie auf, und zwar bis zu dreimal häufiger als unter Placebo. Beide Wirkstoffe werden vor allem aufgrund ihres starken Effektes auf den Gewichtsverlust gefeiert und daher häufig als schnelle Abnehmhilfen genutzt. Doch genau da liegt das Problem, wie die Autor:innen betonen.
Demnach wirken sich ihnen zufolge wohl nicht die Wirkstoffe selbst schädlich auf die Haarfollikel aus, sondern vielmehr werde der schnelle und deutliche Gewichtsverlust und der damit oftmals verbundene Nährstoffmangel zur Belastung. Dies könnte auch der Grund sein, warum unter Tirzepatid noch häufiger Haarausfall auftritt als unter anderen Wirkstoffen. Denn das Twinkretin sorgt für einen noch stärkeren Gewichtsverlust. Und auch die Dosierung könnte eine entscheidende Rolle spielen. Denn mitunter kommen die Wirkstoffe in der Indikation Gewichtsmanagement in höherer Dosierung zum Einsatz als zur Diabetes-Therapie.
Keine Hinweise auf dauerhafte Schäden
Eine weitere mögliche Erklärung für die Häufung von Haarausfall-Fällen könnte darin liegen, dass bereits im Vorfeld eine androgenetische Alopezie vorlag, aber noch nicht sichtbar war. Warum Frauen meist öfter von Haarausfall unter Abnehmspritzen betroffen waren, wie die Forschenden ebenfalls beobachten konnten, ist dagegen bisher noch unklar.
Insgesamt machen die Forschenden deutlich, dass es derzeit keine Hinweise auf eine direkte und irreversible Schädigung der Haarfollikel durch GLP-1-Rezeptoragonisten gebe, sondern vor allem eine metabolische Stressreaktion des Körpers die Ursache für den Haarausfall unter der Anwendung von Abnehmspritzen sein dürfte. Zudem bildete sich der Haarausfall meist innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Stabilisierung des Gewichts wieder zurück. Nun brauche es weitere Studien, um den Zusammenhang zu belegen. Ärzt:innen sollten Patient:innen dennoch entsprechend sensibilisieren. Um gegenzusteuern, sollten Anwender:innen zudem auf einen ausgewogenen Nährstoffhaushalt achten.
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