Hyperthermie: Schilddrüsenmedikament im Sommer anpassen?
Schwitzen und Hitzewallungen können Nebenwirkungen von Schilddrüsenmedikamenten sein. Vorsicht ist vor allem im Sommer geboten, denn die Schilddrüse ist ein temperatursensitives Organ und im Sommer ist die Dosis von Schilddrüsenpräparaten mitunter anzupassen.
In der Schilddrüse werden die Hormone Triiodthyroxin (T3) und Thyroxin (T4) produziert. Die Ausschüttung der Hormone wird über das Schilddrüsen-stimulierende Hormon (TSH) aus der Hirnanhangsdrüse über einen Rückkopplungsmechanismus gesteuert. Werden zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet, steigt der TSH-Spiegel und somit die Produktion. Die gesunde Schilddrüse gibt pro Tag etwa 100 μg T4 und 10 μg T3 ab. Wobei T3 außerdem durch enzymatische Umwandlung aus T4 entsteht. Etwa 99 Prozent der Hormone werden an Eiweißen gebunden zu den Zielorganen transportiert. Nur ein Bruchteil zirkuliert als freies Hormon.
Die Aminosäure Tyrosin ist die Basis für die Hormone. An den Eiweißbaustein werden drei beziehungsweise vier Iod-Atome gebunden. Eine gesunde Schilddrüse bildet etwa zehnmal mehr T4 als T3. Ein Jodmangel kann die Bildung der Hormone und somit die Funktion der Schilddrüse beeinflussen.
In Deutschland leidet etwa jeder Dritte an einer Erkrankung der Schilddrüse. Möglich sind eine Über- oder Unterfunktion sowie Kropfbildung und Entzündungen. Die Symptome der Erkrankungen sind unterschiedlich.
Levothyroxin bei Unterfunktion
Liegt eine Hypothyreose vor, werden zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Symptome sind ein verlangsamter Stoffwechsel, Gewichtszunahme, Frösteln, Abgeschlagenheit, Verstopfung, Haarausfall oder depressive Verstimmungen. Wurde die Diagnose gestellt, kann mit T4 behandelt werden. Im Handel sind Tabletten und Tropfen. Patient:innen schleichen zu Behandlungsbeginn das Medikament ein, bis sie die individuelle Dosierung gefunden haben.
Levothyroxin soll die fehlenden körpereigenen Hormone ersetzen und entspricht T4. Der Arzneistoff wird synthetisch hergestellt und wird einmal täglich eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Leitungswasser und nicht mit Mineralwasser, in dem häufig eine große Menge Calciumionen enthalten sein können, eingenommen. Zu Kaffee oder Eisen- und Calciumpräparaten ist ein Zeitabstand einzuhalten. Levothyroxin kann mit den polyvalenten Kationen Calcium, Eisen und Aluminium interagieren.
Schilddrüse im Sommer weniger aktiv
Schilddrüsenpräparate bergen ein Risiko für eine Hyperthermie – eine Überwärmung – des Körpers, informiert die Techniker Krankenkasse. Denn bei hohen Temperaturen wird die Produktion von T3 und T4 heruntergefahren, um die Körperwärme zu regulieren. Durch die Gabe von Schilddrüsenpräparaten steigt die Körperwärme jedoch wieder, was eine Dosisanpassung nötig machen kann. Schilddrüsenhormone sind von zentraler Bedeutung für Thermogenese, Energiehomöostase und Stoffwechsel. So erhöht T3 den Sauerstoffverbrauch sowie den Energieumsatz der Mitochondrien und somit den Grundumsatz der Zelle. Es wird mehr Wärme freigesetzt, die Temperatur steigt an.
Braunes Fett
Schilddrüsenhormone regen zudem die Bildung von sogenannten Uncoupling Proteins (UCP1 und UCP3) im braunen Fettgewebe an, wodurch Wärme freigesetzt wird. Darum kann eine Überfunktion der Schilddrüse oft mit einer erhöhten Körpertemperatur und einer Unverträglichkeit von warmen Umgebungen einhergehen. Forschende am Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität zu Lübeck haben im Mausmodell die Mechanismen entschlüsselt.
„Die erhöhte Körpertemperatur in der Hyperthyreose ist eine Kombination von mehreren Wirkungen der Schilddrüsenhormone“, heißt es von den Forschenden. Im Muskel erhöhen sie den Grundumsatz, wodurch mehr Wärme produziert wird. Zeitgleich wirken sie im Gehirn, wo sie den zentralen Stellwert für die Körpertemperatur erhöhen, ähnlich wie bei Fieber. „Unsere Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass Schilddrüsenhormone die Entstehung von braunem oder beigem Fett begünstigen – ein Gewebe, das therapeutisch interessant ist, weil es überschüssiges Fett in Wärme umwandeln kann”, so Kornelia Johann, Erstautorin der Publikation.
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