PrEP: Wegen Angst vor Nebenwirkungen ungenutzt?
Knapp 100.000 Menschen leben hierzulande mit einer HIV-Infektion. Zum Schutz vor einer Ansteckung steht die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit der Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil zur Verfügung. Doch aus Angst vor Nebenwirkungen bleibt die PrEP vielfach ungenutzt.
Seit 2019 wird die PrEP gemäß Terminservice- und Versorgungsgesetz von den Krankenkassen gezahlt, und zwar für gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für eine HIV-Infektion haben, darunter Partner:innen von HIV-Patient:innen, homosexuelle Männer, die Sex ohne Kondom haben/hatten. Ziel ist es, das Infektionsgeschehen beziehungsweise die Zahl der HIV-Neuinfektionen einzudämmen. Doch mitunter ist die Angst vor Nebenwirkungen der PrEP groß. Dies ist sogar der Hauptgrund, weshalb eine Nutzung ausbleibt.
Tenofovir und Emtricitabin gehören zu den nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) und verursachen nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ einen Kettenabbruch während der Umschreibung der Virus RNA.
Angst vor Nebenwirkungen durch PrEP: Apotheken sollen informieren
Das zeigen Daten einer anonymen Onlinequerschnittsbefragung von Wissenschaftler:innen des Robert-Koch-Instituts und der Freien Universität Berlin. Diese umfasste knapp 1.500 homosexuelle Teilnehmer, rund 1.000 davon PrEP-Nutzer und rund 500 Nicht-Nutzer. Die Ergebnisse wurden beim Jahreskongress der Deutschen STI-Gesellschaft vorgestellt. Sie machen deutlich, dass mögliche Nebenwirkungen das größte Hindernis bei der PrEP darstellen.
Demnach gab mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) an, dass die Angst vor Nebenwirkungen die größte Barriere im Hinblick auf die Nutzung der PrEP ist. In einigen Bundesländern, beispielsweise mit insgesamt hohen PrEP-Verordnungszahlen, stieg die Zahl sogar auf rund zwei Drittel. Hinzukommt, dass mitunter auch die Risikowahrnehmung einer HIV-Infektion gering ausfällt, was bis zu ein Drittel der Teilnehmenden von der Einnahme der PrEP abhält.
Die Autor:innen mahnen daher zu einer effektiveren Risikokommunikation, um potenziellen Nutzer:innen die Angst vor Nebenwirkungen der PrEP zu nehmen und sie stattdessen noch mehr für die mit einer Infektion verbundenen Gefahren zu sensibilisieren, und zwar nicht nur in der Arztpraxis, sondern auch in der Beratung in der Apotheke.
Tägliche Einnahme als Hürde
Neben der Angst vor Nebenwirkungen durch die PrEP kommen auch Faktoren wie die oftmals schlechte Erreichbarkeit von auf HIV-spezialisierten Ärzt:innen. Eine entsprechende Behandlung ist hierzulande jedoch Voraussetzung für die Verordnung der PrEP auf Kassenkosten. Und auch Scham spielt für einige Teilnehmende eine Rolle, da oftmals kein Interesse daran besteht, mit dem/der Ärzt:in über das eigene Sexleben zu sprechen.
Und dann ist da noch die tägliche Einnahme, die einige Teilnehmende zurückschrecken lässt. Als mögliche Lösung haben Forschende zuletzt den Wirkstoff Lenacapavir ins Spiel gebracht, der bisher zur Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion zugelassen ist, laut Studien jedoch auch zur Prophylaxe einer HIV-Infektion dienen und damit zur neuen PrEP werden könnte.
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