Kein Ibuprofen bei Nervenschmerzen
Ibuprofen wird im Rahmen der Selbstmedikation bei Schmerzen und Fieber eingesetzt und gehört zu den am häufigsten genutzten Arzneimitteln. Doch der Wirkstoff ist nicht für jede Art von Schmerzen die richtige Wahl. Bei Nervenschmerzen sollte auf Ibuprofen besser verzichtet werden.
Ibuprofen wird zur Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen eingesetzt. Die Wirkung ist auf die nicht-selektive Hemmung der Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 zurückzuführen. Ibuprofen wird in Abhängigkeit von Körpergewicht beziehungsweise Alter dosiert, in der Regel mit 7 bis 10 mg/kg als Einzeldosis, bis maximal 20 bis 30 mg/kg als Tagesgesamtdosis. Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene nehmen als Einzeldosis 200 bis 400 mg, die Tageshöchstdosis liegt bei 1.200 mg Ibuprofen.
Doch bei Nervenschmerzen – neuropathischen Schmerzen – sind Arzneimittel mit dem nicht-steroidalen Antirheumatikum nicht Mittel der Wahl. Denn diese entstehen nicht durch einen äußeren Reiz wie eine Verletzung oder ähnliches, sodass es zu einer Reaktion auf eine Gewebsentzündung oder -verletzung oder Durchblutungsstörung kommt, bei der der Schmerz über Nervenfasern ins Rückenmark weitergeleitet und dort und im Gehirn verarbeitet wird.
Nervenschmerzen: Besser Finger weg von Ibuprofen
Neuropathische Schmerzen entstehen wiederum durch geschädigte Nerven, beispielsweise im Zuge einer Diabetes-Erkrankung (diabetische Neuropathie), aufgrund von Spätfolgen einer Gürtelrose oder aufgrund von Verletzungen, bei denen die Nerven stark verletzt oder sogar durchtrennt wurden. Die geschädigten Nerven senden Schmerzsignale an das Gehirn und sprechen auf Ibuprofen oftmals nicht (ausreichend) an. Denn Schmerzmittel mit dem Wirkstoff oder mit Paracetamol oder Diclofenac greifen an anderen Stellen des Schmerzsystems an. Mitunter kann die Anwendung sogar gefährlich werden, weil entsprechende Schmerzmittel mögliche Organschäden durch die Grunderkrankung noch verstärken können, warnen Expert:innen.
Um bei Nervenschmerzen abseits von Ibuprofen die passende Behandlungsoption zu finden, ist jedoch entscheidend, die Ursache möglichst genau zu kennen, um diese gezielt therapieren zu können. Mittel der Wahl bei neuropathischen Schmerzen sind unter anderem einige Antidepressiva wie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, aber auch Gabapentinoide wie Pregabalin und andere Antiepileptika. Topisch kommen Lidocain- und Capsaicin-Pflaster zum Einsatz. Aber auch eine 20-prozentige Ambroxol-Creme kann Linderung verschaffen. Grund ist die lokalanästhetische Wirkung.
Übrigens: Bei Tramadol ist die Wirkung gegen Schmerzen ebenfalls fraglich.
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