Cannabis: Weniger Rx, weniger Nebenwirkungen
Medizinisches Cannabis hat das Potenzial, die Einnahme von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wie beispielsweise Opioiden, Schlafmitteln und Antidepressiva zu reduzieren und Nebenwirkungen zu vermeiden. Das zeigt eine Umfrage unter rund 3.500 Cannabis-Patient:innen im Rahmen des Cannabis-Barometers von Bloomwell.
Das Cannabis-Barometer hat die Entwicklung von Nebenwirkungen infolge der Einnahme von medizinischem Cannabis untersucht. Vor Beginn der Behandlung nahmen mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten Nicht-Opioid-haltige Schmerzmittel ein, knapp 52 Prozent wurden mit einem verschreibungspflichtigen Schafmittel behandelt, knapp 27 Prozent nahmen ein Antidepressivum ein und knapp 19 Prozent ein Opioid.
Durch die Einnahme von Cannabis konnte der Einsatz der bestehenden verschreibungspflichtigen Therapien reduziert werden, und zwar im Durchschnitt um rund 85 Prozent über alle Kategorien hinweg. „In mehr als der Hälfte der Fälle konnten Medikamente sogar vollständig abgesetzt werden“, teilt Bloomwell mit. Der Durchschnittswert der komplett abgesetzten Rx-Medikamente liegt über die verschiedenen Kategorien hinweg bei knapp 59 Prozent. Bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln konnten rund 94 Prozent der Befragten die Einnahme mindestens halbieren und rund 76 Prozent komplett absetzen. Auch Methylphenidat-Patient:innen berichten von einer Reduktion von 88 Prozent durch die Einnahme von Medizinalcannabis – 77 Prozent konnten Methylphenidat komplett absetzen. Zudem konnten 61 Prozent derjenigen, die mit einem Opioid behandelt wurden, infolge der Cannabistherapie die Opioid-Behandlung beenden.
Weniger Nebenwirkungen
Die Umfrageergebnisse zeigen zudem eine Veränderung des Nebenwirkungsprofils durch die Anwendung von Medizinalcannabis. Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) berichten, durch die Einnahme von Medizinalcannabis keine arzneimittelassoziierten Nebenwirkungen mehr zu verspüren. Bei knapp 38 Prozent haben sich die Nebenwirkungen verringert. Nur 1 Prozent beschreibt keine Veränderung. „Diese Berichte der Patient:innen belegen, dass in vielen Fällen neben der eigentlichen Symptombehandlung einer der wesentlichen Gründe für einen individuellen Therapieversuch mit Medizinalcannabis das Ausbleiben oder Verringern von Medikamenten-assoziierten Nebenwirkungen ist“, schlussfolgert Bloomwell.
Hinzukommt, dass Befragte, die andere Medikamente stärker durch die Einnahme von Medizinalcannabis absetzen konnten, im Schnitt von deutlich weniger oder keinen Nebenwirkungen berichten.
Steigerung der Lebens- und Arbeitsqualität
Die Anwendung von Medizinalcannabis war zudem mit einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsqualität verbunden – 68 Prozent berichten von einer besseren Konzentrationsfähigkeit und knapp 54 Prozent verzeichnen weniger berufliche Fehltage. Negative Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsqualität treten durch die Einnahme von Medizinalcannabis nur bei sehr wenigen Patient:innen auf – 2,5 Prozent fühlen sich weniger leistungsfähig und knapp 2 Prozent ziehen sich sozial zurück.
In den vergangenen Jahren ist die Vielfalt bei Medizinalcannabis gestiegen. Hierzulande gibt es knapp 890 verschiedene Blüten. Die Durchschnittspreise für Medizinalcannabis-Blüten sind von 5,23 Euro je Gramm im vergangenen Dezember auf 4,52 Euro im März gesunken. Zugleich stieg die verordnete Menge an Medizinalcannabis-Blüten in Relation zu März 2024 um mehr als 4500 Prozent.
THC-Gehalt
Dabei ging im Januar 2026 der Anteil der abgegebenen Blüten mit einem THC-Gehalt von mehr als 25 Prozent im Vergleich zu Dezember 2025 zurück und stabilisierte sich im Februar und März in etwa auf dem Niveau Ende des letzten Jahres. Der Anteil von Blüten mit einem THC-Gehalt weniger als 15 Prozent nahm im Februar und März hingegen zu.
Verordnungen
Die Zahl der Verordnungen ist im ersten Quartal gestiegen und verzeichnet im März ein Allzeithoch – die Zahl der Cannabisblüten-Verordnungen lag nochmal 1.200 Prozent über der im Dezember 2025 verordneten Menge (in Relation zu März 2024). Verglichen mit dem ersten Quartal 2025 haben sich die verordneten Mengen in etwa verdreifacht.
Zur Methodik: Bloomwell hat im März 3.528 Cannabis-Patient:innen befragt, die zum Großteil eine Therapie begonnen haben. Die Ergebnisse wurden anonymisiert ausgewertet. Außerdem wurden Verordnungen von Januar 2024 bis März 2026 im siebenstelligen Bereich ausgewertet, die von Selbstzahler:innen über Bloomwell in deutschen Partnerapotheken eingelöst wurden.
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